Andrea Streit

Malerei und Zeichnungen

Brandneu

Landvermessung

Links und rechts mit Bäumen gefüllte Berge, die sich abwechseln mit Reihen geordneter Weinreben. Unten ein grünes Tal. In der Mitte zwischen neuen und alten Häusern ich.
Ich schaue mich neugierig um. Stelle Fragen, werde schließlich von einem Bauern mit Traktor schräg hinauf auf seinen Berg gebracht. Mit meiner Kamera beginne ich das Land zu vermessen. Die Weinleser lichte ich ab, wie sie im steilen Hang stecken und an den Weinstöcken hantieren. Mein Blick folgt ihnen bergauf und bergab. Erst füllen sie die Eimer. Dann entleeren sie sie auf dem Hänger, der auf dem Berg steht an dem der Traktor auf dem ich saß dran ist.
Auf meinem Bild, das beschließe ich gleich, wird man am Ende nur den Menschen sehen. Eine Frau fragt mich besorgt: Was von ihrer Landschaft dann noch übrig bleibt.

Es ist der Körper des Weinlesers, der die Landschaft wiedergibt. Der steht nämlich an diesem sehr schrägen Hang und beugt sich runter, kniet auf dem schrägen Boden und knipst so in Position gebracht, den Wein vom Stock ab.
Ich vermesse die Landschaft, indem ich dieser Form des Körpers folge.

Im Oktober und November 2009 inspirierte mich ein Stipendiumsaufenthalt in Bad Münster am Stein Ebernburg zu diesen Arbeiten. Die Landschaft des Nahetals und ihre Menschen haben mich sehr verzaubert. Der Zauber ging sogar soweit, dass ich mir erstmals vorstellen konnte, eine Stadt wie Berlin zu verlassen, um an diesem Ort zu leben. Nun bin ich immer noch in Berlin, aber manchmal gehe ich in meinen Träumen einen Berg hinauf und halte Ausschau nach den Prinzessinnen und Prinzen, die ich hinter den Bergen dort vermutete.
Neben den Bildern und Zeichnungen entstand auch das öffentliche „Ebernburger Tagebuch“, das die Welt meiner Bilder ergänzt.



Stadtläuferin