Andrea Streit

Malerei und Zeichnungen

Brandneu

Stadt in Sicht

Von ganz oben gesehen, runde aber meist eckige Formen, daneben schmale und dicke sich kreuzende Linien auf denen sich etwas bewegt. Was sich bewegt, verschwindet irgendwann in diesen Formen, außer was sowieso in der Luft kreist. Jedenfalls meist.
Ich bin gerne hier. Hier gibt es Material. Hier ist Stadt.
Von Brücken, Hochhäusern, Türmen, Sehenswürdigkeiten schieße ich Bilder von großen, kleinen, dünnen, dicken, vermummten, halbnackten, nicht und uniformierten Menschen. Anschließend übertrage ich ihre Form auf das Papier, auf die Leinwand, auf den Stein, auf die Metallplatte. Ich atme sie aus. Aber wo zum Henker ist die Stadtlandschaft darin?
Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist Masse, Bekleidungsart und Geschäftigkeit. Sie sind Viele, tragen einfach alles und bewegen sich fortlaufend mit dem Mund und den Beinen. Es findet ein permanenter Energieaustausch in der Stadt statt. Das sieht man auch auf den Bildern, nur eben „eingefroren“ Haucht man daran, geht die Bewegung weiter. Die ist doch die Essenz einer Stadt, nech?

Dass ich den Stadtraum male kommt nicht von ungefähr. Ich lebe in einem und ich lebe gern darin. Er bietet unzählige Möglichkeiten, z.B. 24 Stunden lang essen gehen zu können oder die Beförderung meiner Person mit ÖVM, ebenso 24 h lang. Jedenfalls wenn man in einer Stadt wie Berlin lebt. Man muss auch keine große Anstrengung machen, wenn man Geschäfte sucht, die nicht zum täglichen Bedarf gehören. Es gibt von allem ausreichend. Natürlich gibt es andererseits viel Lärm. Die Menschen sind hektisch und gestresst. Dunkel wird es auch nicht richtig, weil ja immer irgendwo Lichter brennen und wenn es eine schnöde Werbetafel ist, die der Welt auch bis weit nach Mitternacht erklärt, das Chanel Nr. 5 nicht stinkt.
„Stadt in Sicht“ zeigt vor allem die Berliner und gelegentlich anderes. Aber der Andere tut dann immer so als handle es sich um einen Ort wie mein Berlin.



Deckenlicht