Newsletter "K u n s t S t r e i t" Nr.25 September/ Oktober 2010
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Inhalt:
1. Eigene aktuelle Projekte
1.1 Gemeinschaftsausstellung „Treibsand“, Martin-Luther-Gedaechtniskirche, Berlin
1.2 Künstlergespräch in der Martin-Luther-Gedächtniskirche, Berlin
1.3 Führung in der Martin-Luther-Gedächtniskirche, Berlin
1.4 Gemeinschaftsausstellung "7 Malen am Meer", Kommunale Galerie Wilmersdorf, Berlin
1.5 Teilnahme an der „Kuboshow“, Messe für Junge Kunst, Herne/ Ruhr
2. Persoenliche Eindruecke zu Ausstellungsbesuchen
2.1 Ausstellung, David Tremlett. „Drawing Rooms“, Hamburger Kunsthalle, Hamburg
2.2 Ausstellung „Gefühl ist Privatsache-Verismus und neue Sachlichkeit“,
Sonderausstellungshallen Kulturforum, Berlin
3. Aktuelle Kultur- und Kunstempfehlungen
3.1 Berliner Kunstmessen
4. Ihre/ Eure Meinungen und Wuensche
1. Eigene aktuelle Projekte
1.1 Gemeinschaftsausstellung „Treibsand“, Martin-Luther-Gedaechtniskirche, Berlin
Dauer: 24. August bis 10. Oktober 2010
Oeffnungszeiten: Di bis Sa 14 bis 17 h
Do 14 bis 19 h
Ort: Martin-Luther-Gedaechtniskirche
Riegerzeile 1a
12105 Berlin
Information: www.mlgk.de
Die Ausstellung „Treibsand“ ist eröffnet wurden. Im Besucherbuch habe ich eine Kritik gelesen, die Ausstellung sei „brav“ (nicht wortwörtlich). Noch während der Vernissage habe ich darüber nachgedacht.
Ohne lange zu zögern, bejahte ich diesen Standpunkt. Die Ausstellung ist „brav“.
Ich selbst hatte mein Ölbildchen aufgestellt sowie zehn Papierbögen bezeichnet und aufgehängt auf denen ausschließlich Uniformierte zu sehen sind.
Der „Uniformierte“ in der Gegenwart als Antwort auf die vorhandenen Abbilder der Soldaten in der MLGK, die zu betrachten sind: An der Kanzel. Am Taufbecken. Am Triumphbogen.
Wenn ich so rum spinne, so fantasiere hätte die Sprengung dieser „Nazikirche“ vielleicht eine gewisse Aufmerksamkeit bei dem Kritiker erregt. Gegebenfalls reichte es auch aus, wenn meine gezeichneten Uniformierten aus dem Papier fielen, um hier als Statisten in der Kirche dreidimensional Platz gefunden hätten, lebend versteht sich. An ihnen wäre kein vorbeikommen. Nach dem Umfang meiner Zeichnung bemessen, wären an die 50 Uniformierte, Soldaten und Polizisten mit Helmen, Schlagstöcken, Maschinenpistolen an diesen Ort eingetroffen. Das hätte provoziert, zumal sie die Order erhalten hätten, als geschlossenen Verband aufzutreten. Sie wären z.B. auch akkurat marschiert. Das hätte Krach gemacht. Andere hätten zur Seite treten müssen. Sie hätten diesen einen uns vielleicht durchaus bekannten Kritiker umzingeln, einkreisen können. Das hätten sie auch mit anderen machen können, die sich bisher in Sicherheit wähnten.
Ob der Kritiker mit dieser Inszenierung immer noch das Gefühl von „braver Ausstel-lung“ empfunden hätte.
Diese Vorstellung gefällt mir selbst ganz gut, während ich sie jetzt so dahin denke, aber die Realität zeigt sich anders. Andererseits sind wir auch nicht im Theater.
Unter diesem Link können Sie die in der Ausstellung "Treibsand" gezeigten Werke aller Künstler als PDF
http://www.mlgk.de/ress/katalog_treibsand.pdf ansehen.
1.2 Künstlergespräch in der Martin-Luther-Gedächtniskirche, Berlin
Dauer: 12. September 2010, 14 h
Einführung und Moderation: Prof. Dr. Stefanie Endlich
Ort: Martin-Luther-Gedaechtniskirche
Riegerzeile 1a
12105 Berlin
Information: www.mlgk.de
Für das Künstlergespräch der Ausstellung „Treibsand“ konnte Prof. Dr. Stefanie Endlich gewonnen werden. Darauf freue ich mich besonders. Von Anfang an war es ein großes Anliegen mit Besuchern zu diesem Projekt ins Gespräch zu kommen.
Die Einführung und Moderation gestaltet Prof. Dr. Stefanie Endlich.
Zur Person:
Prof. Dr. Stefanie Endlich ist freiberufliche Publizistin in Berlin. Lehrtätigkeit an der HdK/UdK seit 1978; Honorarprofessur für Kunst im öffentlichen Raum seit 2003. Bücher und Ausstellungen über Bildende Kunst, Architektur, Stadtentwicklung und zum Thema Erinnerung stehen auf der Liste ihrer langjährigen Arbeit.
Besonderes Interesse widmet Endlich dem Thema mit dem Umgang mit dem Nationalsozialismus.
1.3 Führung in der Martin-Luther-Gedächtniskirche, Berlin
Dauer: 12. September 2010, 12 h
Führung: Martin Bayer (Kunsthistoriker)
Ort: Martin-Luther-Gedaechtniskirche
Riegerzeile 1a
12105 Berlin
Information: www.kunstverein-pankow.de
In Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Pankow findet am „Tag des offenen Denkmals“ eine Führung durch Martin Bayer (Kunsthistoriker) statt. Diese Führung hebt sowohl die baugeschichtlichen Besonderheiten wie den Umgang mit der Kirche nach dem Ende des 2. Weltkriegs hervor. Aber auch die aktuelle Ausstellung „Treibsand“ der 7 Künstler des Vereins Berliner Künstler ist zusehen.
Anmeldung: Andrea Streit: 017653289207
1.4 Gemeinschaftsausstellung "7 Malen am Meer", Kommunale Galerie Wilmersdorf/Berlin und Galerie Claus Steinrötter, Münster
Dauer: 28.08. bis 26.09.2010
Oeffnungszeiten: Di bis Fr 10 bis 17 h
Mi 10 bis 19 h
So 11 bis 17 h
Ort: Kommunale Galerie Berlin
Hohenzollerndamm 176
10713 Berlin
Information: http://www.kommunalegalerie-berlin.de
Dauer: 1.Oktober bis 22. Oktober 2010
Ort: Galerie Claus Steinrötter
Rothenburg 16
48143 Münster
Öffnungszeiten: Mo bis Fr. 10 bis 18 h
Sa 10 bis 14 h
Nun ist die Ausstellung „7 Malen am Meer“ in Berlin angekommen und wird bis zum 28. September 2010 in der Kommunalen Galerie Wilmersdorf zu sehen sein.
Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie diese Ausstellung besuchen.
Letzte Station wird in Münster sein.
1.5 Teilnahme an der „Kuboshow“, Messe für Junge Kunst, Herne/ Ruhr
Dauer: 23./ 24. Oktober 2010
Öffnungszeiten: 10 bis 19 h
Ort: Flottmannhallen
Flottmannstraße 94
44623 Herne
Information: www.kuboshow.de
In diesem Jahr nehme ich erstmals an der Messe für Junge Kunst, der Nachfolger der „Kunstbombe“, teil.
Mit etwa 100 Künstlern aus dem In- und Ausland werde ich zusammen ausstellen. Während der Messe bin ich persönlich anwesend.
Zur Messe erscheint ein 150 seitiger Katalog.
2. Persoenliche Eindruecke zu Ausstellungsbesuchen
2. 1 Ausstellung, David Tremlett. „Drawing Rooms“, Hamburger Kunsthalle, Hamburg
Dauer: 25. Juni bis 6. Januar 2011
Öffnungszeiten: Di bis So 10 bis 18 h
Do 10 bis 21 Uhr, vor Feiertagen 10 bis 18 h
Ort: Hamburger Kunsthalle
Stiftung öffentlichen Rechts
Glockengießerwall
20095 Hamburg
Information: www.hamburger-kunsthalle.de
David Tremlett (*1945 Großbritannien) bespielt das gesamte dritte Obergeschoss der ansonsten geschlossenen Galerie der Gegenwart in der Hamburger Kunsthalle. Der ausgebildete Bildhauer arbeitet seit den 70iger Jahren vorrangig mit Pastellkreide auf Wänden. Er überdeckt den vorhandenen Raum mit seiner farbigen Signatur mit meist geometrischen Formen.
Den Einstieg in die Ausstellung kann der Betrachter mit Hilfe zweier Filme gleich am Eingang erfahren. Auf einem sieht man, wie Tremlett mit Assistenten die Wände akkurat mit Hilfsmitteln wie Lineal und Schablonen gestaltet. Die Akteure wirken dabei wie Anstreicher auf mich. In dem zweiten Film führt der Künstler einen Monolog in seiner Muttersprache. Der Film ist unsynchronisiert, was mich verwundert. Wir Deutschen synchronisieren doch sogar Bugs Bunny.
Was finde ich nun vor: Tremlett bespielt mehr als zehn Räume. Er gestaltet sie mit großflächigen Wandmalereien aus Erdtönen genauso aber mit kräftigen Farben wie Rot, Gelb, Türkis, Blau und Grün. Der Veranstalter weist mir die Richtung. Ich werde hier einer Symbiose aus Planung und Gestaltung von Innenräumen begegnen. Wenn ich überhaupt etwas empfinde, dann vor allem Strenge und Enge. Als würden die Wände von außen nach innen gedrückt. Ist das Absicht?
Der Künstler hat sich etwas gedacht. Ich vermag seine „Melodie“ jedoch nicht aufzunehmen. Umso länger ich mich auch in dieser Schau aufhielt, desto mehr verspürte ich den Drang einen Stift zu nehmen, um Unordnung in sein „Haus“ zu bringen. Das war eine höchst seltene Eingebung einem anderem Kunstwerk gegenüber.
Ich stellte fest: Tremlett war da. Ich war da. Aber sonst war weiter nichts.
2.2 Ausstellung „Gefühl ist Privatsache. Verismus und neue Sachlichkeit“, Sonderausstellungshallen Kulturforum, Berlin
Dauer: 23. April bis 15. August 2010
Öffnungszeiten: Di bis Fr 10 bis 18 h
Do 10 bis 22 h
Sa/ So 11 bis 18 h
Ort: Sonderausstellungshallen Kulturforum
Matthäikirchplatz
10785 Berlin
Information: http://www.smb.museum/smb/home/index.php
In den Sonderausstellungshallen des Kulturforums wird die Ausstellung „Gefühl ist Privatsache. Verismus und Neue Sachlichkeit“ gezeigt.
Damit ist ganz klar, was ich zu sehen bekomme: Eine Wirklichkeitsnachbildung die sich mit einem kühlen und distanzierten Ausdruck zeigt.
Die Schau ist überschaubar. Ein hallenartiger Raum, in den einige Stellwände eingelassen wurden, gestattet mir viel Platz beim betrachten. Schnell erfasse ich die Ordnung. Ich meine sowohl rechts wie links gehen zu können, immer treffe ich auf eine ähnliche Botschaft: Wirklichkeit, erschütternde Wirklichkeit. Oder anders ausgedrückt: Krieg, Niedergang, Zerstörung, Verlust, Tod.
An den Wänden sind Zitate von Künstlern wie Bertolt Brecht oder Hinweise zu Kunstgeschichte lesbar angebracht, die mich als Besucher auf das Konzept der Ausstellung hinweisen. Das vermittelt mir den Eindruck, dass der Ausstellungsmacher sicher gehen will, dass ich all das hier „richtig“ verstehe.
Gleich zu Beginn treffe ich auf einen meiner Lieblingskünstler, nicht allein ausschließlich aus dieser Zeit: George Grosz.
Seine Zeichnung „Aufstand der Irren“, Tuche auf Papier, zeigt eine sehr belebte Straßenszene, in der Menschen aufeinander einprügeln, sich an den Haaren ziehen, mit einer Axt einander verfolgen usw. Auf den Gesichtern ist oft ein Anflug von Häme und Gehässigkeit. Formal ist die Arbeit skizzenhaft angelegt. Strich an Strich, was die Groteske der Bildidee nach meinem Gefühl noch erheblich steigert. Ich bin begeistert und bleibe lange davor stehen.
Wie sich zeigen wird, kenne ich die meisten der ausgestellten Künstler nicht wie z.B. Otto Griebel (1895-1972). Mit einem ganz anständigen Aquarell ist er hier vertreten. Es zeigt einen singenden, ärmlichen Mann ohne Schuh in einem Hof. Sein offener Mund zeigt Zahnlücken und sein Blick ist freudlos und leer. Das Aquarell ist in Blau, Grün und Grau gehalten. Diese Farben unterstreichen die triste Atmosphäre, in dem sich der Protagonist befindet. Die Komposition ist stimmig. Seine Zeichnungen dagegen einsilbig im Vergleich.
Unbegeistert stehe ich dann noch Bernhard Kreschmar`s „Begräbnis“ gegenüber, bei dem ich einen regelrechten Ärger verspüre. Es wirkt auf mich wie eine billige Nachbildung eines Otto Dix. Die Köpfe seiner Protagonisten sind zu groß, wirken wie reine Karikaturen.
Der Künstler will ganz sicher gehen, dass seine Betrachter zu derselben Lösung kommen wie er. Er könnte es genauso auch hinschreiben. Das ist überhaupt eine Kritik an den Stil, was bleibt noch an Assoziation für den Betrachter übrig bei all der erbarmungslosen nüchteren Darstellung der Wirklichkeit?
Weil ich bei Kritik bin, einige Künstler haben arge Schwierigkeiten mit der Anatomie. Das kann unmöglich alles gewollt sein, wie bei Lea Grundig oder Rudolf Schlichter. Da passen die Körperteile nicht zusammen.
Eins der heraus ragenden Werke der Schau begegnet mir mit Rudolf Schlichter`s „Margot“, Öl auf Leinen. Es zeigt eine Frau mit weißer Bluse und Zigarette in der Hand, die in meine Richtung guckt. Mir aber zugleich auch klar macht, dass sie nicht besonders viel von mir hält. Im Hintergrund kann ich eine Häuserwand erkennen. Bis auf die weiße Bluse ist das ganze Bild in dunklen Tönen gehalten.
Obwohl sich die Ausstellung nicht durchweg durch ein hohes Maß an Qualität auszeichnete, empfand ich sie als durchaus sehenswert. So werde ich weiterhin meine Augen offen halten nach den Vertretern des Verismus und der Neuen Sachlichkeit.
3. Aktuelle Kultur- und Kunstempfehlungen
3.1 Berliner Kunstmessen
Kunstmessetage in Berlin in der Zeit vom 5. bis 10.Oktober. Ausführliches finden Sie/ Ihr im Internet sowie der Presse.
Artforum: 7. bis 10. Oktober 2010
Preview: 8. bis 10. Oktober 2010
www.previewberlin.de
Berliner Liste: : 7. bis 10. Oktober 2010
www.berliner-liste.de
Berliner Kunstsalon: 5. bis 10. Oktober 2010
www.7-berlinerkunstsalon.com
4. Ihre/ Eure Meinungen und Wuensche
Diese Daten werden nicht im Internet veröffentlicht.
Mit besten Wuenschen
Ihre/ Eure Andrea Streit
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Andrea Streit
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