Blog 10.04.2026

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10.04.2026 Demokratie und Klima (62.)
Der Projektraum Group Global 3000 eröffnet die Ausstellung Demokratie und Klima. Katja Hocke hält die Eröffnungsrede, im Anschluss führt man Gespräche. Einige Gäste beobachte ich, wie sie von Ausstellungsstück zu Ausstellungsstück gehen und den beiliegenden Begleittext lesen. Ich sehe mich nicht bei dieser Tätigkeit. Ich führe lieber Gespräche; vorzugsweise mit Maria Korporal und Tom Albrecht, mit denen ich u.a. in der Ausstellung KLIMMAKIPPPUNKTE zusammengearbeitet hatte. Sie gehören auch zum Team des Projektraums, in dem ich 2024 und 2025 ausstellte.
Unsere Gespräche führen uns u.a. zum nächsten „Open Call“ des Projektraums, welche Rollen Frauen in der Klimabewegung spielen bzw. gespielt haben.  Die Meinungen gehen auseinander, ob Greta Thunberg als Klimaaktivistin heute noch genannt werden sollte.  Ohne ihre Aussagen im einzelnen genau zu kennen, wird sie als Pro-Palästina-Aktivistin wahrgenommen. Ich selbst kann mich an einzelne mediale Empörungen erinnern, als Thunberg auf Pro-Palästina-Demos eingeladen war und sogar als Rednerin auftrat. Ein Grund für mich mit ihr näher zu beschäftigen.
Im Verlauf des Abends begegnet mir Ev, die ich im Herbst, ebenfalls bei einer Vernissage in diesem Haus kennengelernt habe. Evs Reise nach Japan wurde Gesprächsstoff. Für das Land interessierte sich auch Maria. Eine gemeinsame Reise in das Land  der Tradition und Harmonie, unter Leitung von Ev, die sich besser dort auskannte als wir, die noch nie da waren, das hielten wir für einen ausgezeichneten Plan für 2027.
Fazit: Ein sehr schöner Abend. Nur die Kunst, die war für mich kaum anwesend.
Link zur Ausstellung: https://gg3.eu/demokratie-und-klima/

v. li. n. re.: Maria Korporal, Tom Albrecht, ich

2.04.2026 Spaziergang (61.)
Nancy und ich gehen am Tankumsee spazieren. Erstmals stehe ich auf der Kaimauer des Elbe-Seitenkanals, der über den Elbe-Havel-Kanal bis nach Berlin führt. Eine „Haltestelle“ gibt es am Tankumsee allerdings nicht.

1.04.2026 Küken-Pflege (60.)
Während der Säuberung des Küken-Käfigs müssen die Küken des Deutsche Kinderschutzbund Ortsverband Gifhorn e.V. in eine durchsichtigen Kunststoffbehälter. Sie sehen darin bisschen aus wie ESSEN, find ich.

Voll süß

31.03.2026 Küken (59.)
Bin ein paar Tage nach Gifhorn gefahren, um Anteil an der Kükenaufzucht des Deutsche Kinderschutzbund Ortsverband Gifhorn e.V. zunehmen. Der Verein setzt sich für Kinderrechte und eine kinderfreundliche Gesellschaft ein. Der Verein setzt sich für Kinderrechte und eine kinderfreundliche Gesellschaft ein. Neben vielen sozialen Angeboten können Kinder unter anderem in einem Lerngarten Tiere beobachten, kleine Beete bewirtschaften und alte Nutzpflanzen wiederentdecken.
Für mich ist das alles ganz neu, und ich verfolge die Entwicklung mit großem Interesse. Nancy, die die Betreuung der Küken vertretungsweise für eine Woche übernommen hat, führt mich in alles ein. Anschließend besuche ich noch die fünf Hühner, die schon länger im Lerngarten leben, sowie die zwei neuen Kaninchen. Eines von ihnen nagt gern an den Schuhsohlen. Man gebe acht!

Ein Küken hat Durchfall, alles muss gründlich gereinigt werden.

28.03.2026 Atelier (58.)
Ich denke über ein neues Bild nach: Die Konturen sind noch unscharf. Nicht einmal das Format steht fest. 

Die Bilder, die man hier sieht, sind noch unvollendet.

26.03.2026 Beerdigung eines angenehmen Menschen (57.)
Heute ist Matthias Koeppel auf dem Friedhof Wilmersdorf beerdigt wurden. Eigentlich wollte ich hingehen, aber mein Geist fand in der Nacht zum Morgen keinen Schlaf und ich verschlief. Matthias kenne ich durch den Verein Berliner Künstler, wo er langjähriges Mitglied und heißblütiger Befürworter für die Aufnahme von Künstlerinnen des bis 1990 reinen Herrenvereins war. Aus Anlass seines 80. Geburtstag präsentierte die Zitadelle Spandau die Ausstellung Der Maler ist im Bild. Ich habe ihn dort angetroffen und mit ihm über seine Bilder gesprochen. Einige Werke – etwa 1. Mai von 1971 – erinnerten mich an eine Verbindung von Neuer Sachlichkeit, Pop Art und kritischem Realismus: jene Mischung aus Nüchternheit, Präzision, klarer Farbigkeit, starken Hell-Dunkel-Kontrasten und gesellschaftlicher Beobachtung, die ich so schätze. Matthias „bekannte Gemälde“ wie das Triptychon Die Öffnung der Berliner Mauer, die ihn zum Chronisten der Stadt machten, sind den genannten Stilen immer noch treu, aber wirken doch ganz anders. Vielleicht liegt es an den Flächen, die er neu gewichtet, verschiebt oder verdichtet. Ach – was weiß ich schon. Am Ende ist es wohl doch nur Malerlatein.

25.03.2026 Moderierte Probe mit Oksana Lyniv und Atelier (56.)
Mit der Andrea-Philharmonie-Gruppe besuche ich das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (RSB) zu einer moderierten Probe unter der Leitung von Oksana Lyniv. Dieses Format bewegt sich zwischen Konzert, Probe und Einführung – gewissermaßen ein öffentlich gemachtes Nachdenken über Musik. Auszugsweise probt Lyniv mit Orchester, Solist:innen und Chor Passagen aus der Messa da Requiem von Giuseppe Verdi, die dieser zum Gedenken an Alessandro Manzoni komponierte, den er zutiefst bewunderte.
Die Art, wie Lyniv korrigiert und musikalische Bilder entwirft, ruft Erinnerungen an meinen früheren Musikunterricht wach: Damals empfand ich das als albern – heute erschließt sich mir darin ein Zugang zur Musik, der tatsächlich trägt. Die Musik beeindruckt mich sehr. Seitdem spiele ich mit dem Gedanken, mir ein Abo für klassische Konzerte zu gönnen. Noch bin ich unentschlossen – jedoch die Versuchung ist groß.

Das Sinfonie Orchester empfängt gebührenden Applaus
Am Haus des Rundfunks mit Sandmännchen

Anschließend gehen wir zum Lunch ins Joe’s Restaurant und Wirtshaus, eine Entdeckung von Andrea. Hier wird deutsche Küche zu moderaten Preisen angeboten. Eine Reservierung wird empfohlen.
Direkt nach dem Essen fahre ich ins Atelier, wo ich in ein eigentlich fertiges Bild eingreife und es damit wieder in einen Zustand der Unfertigkeit versetze. Error, denke ich. Error 

24.03.2026 Berliner Abgeordnetenhaus (55.)
Zum Fachgespräch Arbeitsräume für die Kultur der bündnisgrünen Fraktion gemeinsam mit der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus erschien ich gut vorbereitet – mit meinem kleinen Arbeitsbuch, in das ich während der Redebeiträge einige Notizen machte.
Die Veranstaltung fand in einem Konferenzraum im ersten Obergeschoss statt. Ich war früh genug vor Ort, um mir einen Platz am Konferenztisch zu sichern; die später Eintreffenden mussten sich mit Stühlen in zweiter und dritter Reihe begnügen. Insgesamt waren etwa 80 Personen anwesend, mehrheitlich Künstler:innen.
Pünktlich um 18 Uhr eröffneten die Abgeordneten Michaela Schmidt und Daniela Billig das Treffen. Nach kurzen Stellungnahmen zu ihren jeweiligen Positionen kamen die eingeladenen Redner:innen der Reihe nach zu Wort.
Eine Zusammenfassung steht zur Verfügung unter dem Link: https://www.linksfraktion.berlin/themen/th/kultur/fachgespraech-wie-schaffen-und-erhalten-wir-arbeitsraeume-fuer-kuenstlerinnen-chancen-und-moeglichkeiten/
Was dort nicht steht, möchte ich ergänzen: Für einen heiteren Auftakt sorgte bei mir zunächst der äußere Eindruck. Philipp Strohm, Geschäftsführer der GSE (Gesellschaft für Stadtentwicklung gGmbH) in Berlin trug einen klassischen Filzhut mit eingedellter Krone und einer mittelbreiten Krempe. Lennart Siebert, Atelierbeauftragter des bbk, trug einen klassischen Filzhut mit eingedellter Krone und einer mittelbreiten Krempe. Beide Auftritte schienen augenzwinkernd dieselbe Botschaft zu senden: „Ich bin ein Star!“ Nun machen Kleider nicht Leute, wie das Märchen Des Kaisers neue Kleider von Hans Christian Andersen uns lehrt. Und tatsächlich wurde schnell deutlich, wer hier als Künstler spricht – und wer nicht.
Abschließend eröffneten die Gastgeber:innen eine Runde, in der zentrale Herausforderungen benannt wurden. Nun kamen auch anwesende Künstler:innen zu Wort. Die Abgeordnete Michaela Schmidt stellte in Aussicht, die Gespräche mit der Kulturszene künftig regelmäßig fortzuführen, was allerdings für 2026 nicht gesichert ist. Und ob darüber hinaus es Bestand haben wird, bleibt ungewiss.
Unausgesprochen schwang dabei eine bekannte Realität mit: Vor der Wahl ist nicht unbedingt nach der Wahl. Die zukünftige Zusammensetzung des Berliner Abgeordnetenhauses ist ungewiss. Wünsche können gern ins Universum gesendet werden. Ich und viele andere wissen, welche Parteien die Kultur in der Stadt ausbremsten.

23.03.22026 Zoom-Treffen (54.)
Beteilige mich an dem Zoom-Treffen mit Kollegen anderer Ateliers, deren Arbeitsräume ebenfalls von den Kürzungen des Kultursenats bedroht sind. Das Treffen dient der Vorbereitung auf die Einladung der Abgeordneten Daniela Billig (Bündnis 90/Die Grünen) und Michaela Schmidt (Die Linke) am morgigen Tag. Während des Zooms werden die zentralen Punkte des vorangegangenen Vorbereitungstreffens zusammengetragen. An diesem Treffen war ich nicht beteiligt, weshalb vieles für mich neu und entsprechend spannend ist. Zugleich bleibt noch vage, was mich morgen konkret erwartet.

22.03.2026 Finissage (53.)
Es ist Finissage, die letzten Minuten des Künstlergesprächs laufen. Ich möchte Burghild Eichheim treffen, die an der Ausstellung as time goes by, der Galerie VBK beteiligt ist. Burghild ist nicht anwesend. Ich wechsle Worte – dies und das – mit ein paar Kollegen, betrachte die Ausstellung, ohne mich länger auf einzelne Arbeiten einzulassen. Womit ich auch schon zum Fazit komme: eine Furchtbare Hängung. Falls Kunstwerke meinen ästhetischen Vorstellungen entsprachen, konnte ich sie unter diesen Bedingungen nicht sehen.  

21.03.2026 Zeughauskino (52.)
Im
Zeughauskino sehe ich gemeinsam mit Brigitte Bardot Leibniz – Chronik eines verschollenen Bildes, aus dem Jahr 2025. Die Regie hat Edar Reitz geführt.
Wir werden ins 17. Jahrhundert entführt, an den Hof des Schlosses Herrenhausen in Hannover, wo die Kurfürstin Sophie von Hannover residiert. Ihre einzige Tochter, die preußische Königin Sophie Charlotte, lässt über ihre Mutter ein Bildnis des Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz beauftragen, mit dem sie eine tiefe Freundschaft verbindet.
Der rein fiktive Hofmaler Pierre-Albert Delalandre erhält den Auftrag.
Lars Eidinger, der ihn spielt, lässt es an keinen überhöhten Künstlerallüren fehlen. So betritt er die Filmbühne wie ein aufgeplusterter Gockel. Einfach herrlich. Mit Pierre-Albert Delalandre zog ebenfalls eine Dienerschaft in die neue Arbeitsstätte ein, die die Arbeitsutensilien nach seinen Vorgaben im Raum platziert. Als alles bereitsteht, erhält er eine weiße Malerjacke, die am Rücken zu binden ist und bis zur Hüfte reicht. So etwas ist mir nie widerfahren. Fragte mich, wie realistisch die Darstellung sei.
Der Hofmaler hat der Kurfürstin drei weitgehend vorgefertigten Gemälde vorgeführt, denen nur das Gesicht des zu porträtierten fehlte. Die Kurfürstin entscheidet sich für eines der Entwürfe. Nun betritt
Edgar Selge als Leibnitz die Filmbühne. Die zwei Protagonisten kommen nicht zusammen.
Delalandre will Leibniz als statisches Monument der Macht malen. Leibniz hingegen möchte, dass das Bild seine lebendige Intelligenz und sein Denken einfängt. Er will ein „denkendes“ Gesicht auf der Leinwand sehen. Delalandre behauptet, es wäre eines Gelehrten unwürdig. Dalalandre ist empört und tritt vom Auftrag zurück.
Die Kurfürstin beauftragt die junge flämische Vermeer-Schülerin Aaltje Van De Meer, dargestellt von
Aenne Schwarz, die anfangs noch in Männerkleidung auftritt. Van De Meer ist eine suchende Künstlerin, die sich nicht ausruht auf dem bereits Erreichten. Sie scheut sich nicht davor, von vorn anzufangen. Sie glaubt, erst alles über das Bild zu wissen, wenn das Bild vollendet ist. Dem Philosophen Leibniz ist sie auf Anhieb sympathisch, weswegen sie über die Zeit, in der das Gemälde erarbeitet wird, durch Skizzen, Studien des Lichts im Raum und zahlreiche Gespräche eine Begegnung auf Augenhöhe bleibt.
Mit den wortreichem Ringen um den Sinn und Wahrhaftigkeit der Kunst macht sie Leibnitz einmal sprachlos, als sie erklärt: „Der Grund der Kunst ist die Kunst selbst« – und verschlägt damit dem Hofrat erstmals die Sprache.“
Die Figur des Leibniz‘ Assistent Liebfried Cantor ist erfunden, aber auch sehr berührend. Durch ihn erfahre ich z.B. etwas über Leibnitz Erfindungen oder das Verhältnis von Leibnitz zum Kaiser.
Fazit: Ein Film, dessen Helden sich mit Wert von Kunst und Erkenntnis, Würde und Wahrheit auseinandersetzen. Der Film hat Tiefgang. Er ist sinnlich und poetisch. Daumen hoch!
P.S. Das Kameragesicht Edgar Selge´s war durch zahlreiche Zeichnungen geprägt. Es hat unfassbar viel damit erzählt. – Ist sehr malerisch, finde ich.

20.03.2026 Atelierbesuch  und Theater am Potsdamer Platz (51.)
Christine, mit der ich mich in meiner Jugend mit dem Florett duellierte, ist wegen zweier Veranstaltungen extra nach Berlin angereist. Den Nachmittag verbringen wir gemeinsam in meinem Atelier. Meine Malerei hält sie für Kunst. Das Bild auf der Staffelei mit sitzendem Jungen am Strand gefällt ihr besonders gut. Im indischen Restaurant Amrit, in der Oranienstraße in Berlin-Kreuzberg speisen wir, bevor zum Theater am Potsdamer Platz aufbrechen.


Hier gastiert der Cirque du Soleil. Er präsentiert mit ALIZÉ, eine speziell für das Theater am Potsdamer Platz in Berlin entwickelte Zirkusshow. Artisten verschwinden, schweben oder „fliegen ins Unsichtbare“, während Illusionen, Hologramme und Projektionen eine zentrale Rolle spielen.
Christine erklärte mir, dass der Cirque du Soleil seine Darbietungen stets um eine erzählerische Idee herum aufbaut.
Falls es eine solche Erzählung gab, konnte ich ihr nicht folgen.
Fazit: Abgesehen von einigen paar wenigen besonderen Momenten war es doch zumeist unspektakulär – von Zauberei also weit entfernt. Christine räumte selbst ein, dass sie einst eine Aufführung in der Leipziger Arena gesehen hatte, die wirklich beeindruckend war. Das heutige Erlebnis konnte damit nicht mithalten und hat auch sie nicht überzeugt.

Vor dem Theater am Potsdamer Platz

19.03.2026 Ausstellungsführung und Film (50.)
Gemeinsam mit P. nehme ich an einer Führung der Ausstellung trotzdem da! im Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit teil. Die Ausstellung Kinder aus verbotenen Beziehungen zwischen Deutschen und Kriegsgefangenen oder Zwangsarbeiter*innen beleuchtet ein lange verdrängtes Kapitel der NS-Geschichte.
Im Anschluss besuche wir die Abendveranstaltung mit dem Film „The Lion is Telling the Story of the Forest“ (20 Min.) sowie einem Gespräch unter anderem mit Gerd A. Meyer (Zeitzeuge und Protagonist der Ausstellung „trotzdem da!“), Appolinaire A. Apetor-Koffi (Multi-peRSPEKTif) und Fatoumata Cham (Multi-peRSPEKTif).
Dem Ausstellungstitel folgend widmet sich die Präsentation den Kindern aus verbotenen Beziehungen während des NS-Regimes. Trotz strikter Verbote und harter Bestrafung entstanden Beziehungen zwischen Zwangsarbeiter*innen, Kriegsgefangenen im Deutschen Reich, deutschen Besatzungssoldaten sowie lokalen Frauen und Männern – aus denen auch Kinder hervorgingen.
Die Kinder polnischer und sowjetischer Mütter wurden häufig unmittelbar nach der Geburt ihren Müttern entzogen und in sogenannte „Ausländerkinder-Pflegestätten“ gebracht. Dort herrschten katastrophale hygienische Bedingungen und extreme Mangelernährung. Die Todesrate war extrem hoch. In seltenen Fällen wurden Kinder auch Zwangs-Germanisiert, wenn sie als „eindeutschungsfähig“ eingestuft wurden. Kinder deutscher Frauen wurden meist in staatliche Heime oder bei Verwandten der Mutter untergebracht. Viele dieser Kinder wuchsen nach 1945 ohne Wissen über ihren wahren Vater auf und litten unter lebenslanger Diskriminierung als „Kinder der Schande“.
Der Gast der Abendveranstaltung, Gerd A. Meyer, Sohn eines russischen Kriegsgefangenen, hat erst mit 64 Jahren die Familie seines Vaters kennengelernt.
Der Gast des Abends, Gerd A. Meyer – Sohn eines russischen Kriegsgefangenen – lernte die Familie seines Vaters erst im Alter von 64 Jahren kennen. Im Filmbeitrag führt er Teilnehmer des Workshops Multi-peRSPEKTif, des Veranstalters Denkort Bunker ValentinBremen, an den Ort seiner Kindheit. Die Kamera zeigt eine Gruppe zivil gekleideter Menschen, mehrheitlich mit dunkler Hautfarbe. Im Gespräch wird deutlich, dass die Dorfbewohner irritiert reagierten und fragten, ob in ihrer Umgebung ein Flüchtlingsheim entstehen solle.
Filmlink: https://youtu.be/c_V8sf52-kE?t=7
Ausstellungslink: https://trotzdemda.de/

18.03.2026 Atelier (49.)

17.03.2026 Zeughauskino: Die Möllner Briefe (48.)
Das Zeughauskino zeigt im Rahmen des Potsdamer Festivals: moving history nominierte Wettbewerbsfilme des mit 5000,00 € dotierten CLIO-Preis. Zu Gast ist die Regisseurin Martina Priessner unter Moderation von Olaf Berg (moving history).
Priessners Film greift den Fund von über 1000 Briefen sowie zahlreichen Sach- und Geldspenden an die Opfer des Möllner Brandanschlags von 1992 auf und nimmt dies zum Ausgangspunkt ihres Dokumentarfilm
Die Möllner Briefe von 2025.
Am 23. November 1992 verübten Rechtsextremisten in der schleswig-holsteinischen Kleinstadt Mölln Brandanschläge auf zwei von türkischen Familien bewohnten Häuser. Dabei wurden drei Mitglieder der Familie Arslan – darunter zwei Kinder – in ihrem Wohnhaus in der Mühlenstraße 9 getötet. In der Ratzeburger Straße 13, in der 32 Menschen lebten, gab es neun Schwerverletzte.
Eine Studentin war 2019 im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit durch einen Archivar auf die unterschlagenen Briefe aufmerksam geworden. Erst jetzt erfuhren die Betroffenen, unter ihnen der Aktivist Ibrahim Arslan, nach 27 Jahren von deren Existenz. Ein Jahr später lernt die Regisseurin Ibrahim Arslan kennen und entwickelte die Idee für den Dokumentarfilm. Dass sie fließend türkisch spricht und fünf Jahre in Istanbul gelebt hatte, schuf eine Vertrauensbasis bei den Gesprächen mit den Familien.
Priessner betont, dass es ihr wichtig bei ihrem Filmprojekt war, vor allem der Frage nach dem institutionellen Rassismus nachzugehen, das sich im Verhalten der Möllner Behörden widerspiegelt. Eine Rekonstruierung der Ereignisse interessierte sie nicht.
Den roten Faden des Films bildet Ibrahim Arslan. Priessner rückt ihn ins Zentrum ihrer Dokumentation, da ihm die offizielle Erinnerungskultur der Stadt Mölln ein Dorn im Auge ist ein Umstand, der ihn dazu motiviert, als Aktivist gegen Rassismus und Diskriminierung zu kämpfen. Seit vielen Jahren geht er in Schulen, um über die rassistischen Ereignisse von 1992 aufzuklären. Diese Aufklärungsarbeit hilft ihm bei seiner eigenen Trauerbewältigung.
Dass er überlebte, verdankte er seiner Großmutter Bahide Arslan, die selbst nicht überlebte, bevor sie die zwei weiteren Kinder im Haus retten konnte. Zu ihr pflegte er ein inniges Verhältnis; er beschreibt sie als Familienoberhaupt und die „gute Seele“ der Familie. Ihr Tod stellt für ihn einen unermesslichen Verlust dar.
Auch sein Bruder Namik Arslan, der damals erst wenige Monate alt war und keine eigenen Erinnerungen hat, kommt zu Wort. Seine Mutter warf ihn aus dem Fenster, um sein Leben zu retten, da der Fluchtweg abgeschnitten war. Er überlebte schwer verletzt. Namik leidet bis heute unter dem Verlust seiner Schwester Yeliz und seiner Cousine Ayşe Yılmaz. Seine Mutter Faruk Arslan war davon ausgegangen, dass die Großmutter die beiden Kinder rechtzeitig in Sicherheit gebracht hatte.
Namik ist stark übergewichtig. Im Laufe des Films unterzieht er sich einer Magen-Operation, weil er aus eigener Kraft nicht abnehmen kann. Während der Filmaufnahmen nimmt er sichtbar ab und wirkt zunehmend mobiler.
Nach dem Brandanschlag wurde eine weitere Schwester geboren, die zu Ehren der 1992 ermordeten Schwester ebenfalls den Namen Yeliz erhielt. Ihr ist anzumerken, dass ihr der Name nicht gut tut. Immer ist auch die beim Anschlag verstorbene Schwester anwesend, sagt sie. Sie beschreibt, wie Menschen, die sie kannten, sie wahrnahmen. Sie hat das Gefühl der toten Schwester nicht gerecht werden zu können.
Gemeinsam mit der Regisseurin besucht Ibrahim auch die Familien der Ratzeburger Straße. Obwohl sie keine Toten zu beklagen hatten, machten sie ähnliche Erfahrungen mit der mangelnden Unterstützung der Stadt Mölln. Besonders erschüttert ist die Schilderung Ibrahims, dass die Familie nach der Instandsetzung gezwungen war in das Brandhaus wieder einzuziehen. Die Stadt behauptete damals, es sei nicht möglich, ihnen eine andere Unterkunft zuzuweisen.
Auch der damalige Archivar kommt zu Wort. Er berichtet von den Umständen in rein formaler Art, ohne Anzeichen einer Mitverantwortung zu zeigen.
Ibrahim trifft auch den amtierende Bürgermeister Ingo Schäper (SPD). Schäper lebt in der etwa 10 km entfernten Gemeinde Mustin. Zum Zeitpunkt des Anschlags war er 19 Jahre alt. Der Politiker distanziert sich indirekt von der damaligen Amtsführung, indem er eine neue Phase der Kommunikation mit den Betroffenen einleitet. Ibrahim hofft das Schäpers Bereitschaft eine reale Möglichkeit der Annäherung bietet. Seit 30 Jahren kämpft Ibrahim für eine würdevolle Gedenkkultur im Sinne der Opfer, die Betroffene nicht als Statisten, sondern als Hauptzeugen und aktive Gestalter begreift.
Sowohl Ibrahim Arslan wie Martina Priessner baten den damaligen Bürgermeister Joachim Dörfler (CDU) um eine Stellungnahme, was dieser jeweils ablehnte.
Das die Briefe drei Jahre nach ihrer Entdeckung an die türkischen Angehörigen übergeben werden, ist vor allem der Hartnäckigkeit Ibrahim Arslans zu verdanken. In Absprache mit den Familien scannte die Stadt die Dokumente, bevor sie die Originale übergab. Diese wurden daraufhin dem Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland (DOMiD), in Köln als Schenkung überlassen.
Aus dem Gespräch mit Martina Priessner erfahre ich, dass die zunächst in Aussicht gestellte Annäherung auf dem erstmals signalisierten Interesse der Stadt beruhte. Sie wollten sich ernsthaft mit der Sicht der Betroffenen auseinanderzusetzen und die Opferperspektive ins Zentrum der offiziellen städtischen Veranstaltungen zu rücken. Doch den Worten fehlte es leider an praktischer Umsetzung. Mit der Premiere des Dokumentarfilms „Die Möllner Briefe“ 2025 wurde das Verhältnis zwischen Stadt und Betroffenen stark belastet. Eine Annäherung scheint dadurch wieder in weite Ferne gerückt zu sein.

Fazit: Es drängt sich die Frage auf, welche Gesinnung hinter Dörflers Vorgehen stand, die eine derartige Verletzung des Briefgeheimnisses und die Aneignung privater Güter zuließ? Daraus folgt die Frage, in welcher politischen Atmosphäre sich Deutschland 1992 befand?

16.03.2026 Cinestar (47.)
Ich habe mit Rosika Janko-Glage den Film Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke im Cinestar Tegel gesehen. Wie den Film Therapie der Wikinger habe ich ihn auf anraten von Nancy angesehen. Ich mache es kurz: Die Hauptdarsteller Iris Berben und Heiner Lauterbach konnten ebenso wenig überzeugen wie Drehbuch und Regie. Insgesamt wirkt das Ganze übermäßig bemüht und künstlich. Es gibt deutlich gelungenere Alternativen – etwa Miss Sixty, ebenfalls eine deutsche Filmkomödie mit Iris Berben.

14.03.2026 Nikolaikirche (46.)
Mit Nancy besuche ich die Ausstellung: Heute noch, morgen schon, in der Nikolaikirche, Berlin-Mitte (Siehe auch Blogeintrag: 7.02.2026). Die Ausstellung zeigt filmische Perspektiven in Berlin um 1990. Nancy wird am Folgetag noch ein weiteres Mal in die Ausstellung gehen, während ich an einer Bewerbung sitze.
Besonders nachgewirkt hat Tsitsi Dangarembgas Film Die Schönheitsverschwörung von 1994. Schauplatz ist ausschließlich ein Black Beauty Shop – ein Ort, an dem die Kundschaft über die „Optimierung“ nicht-weißer Merkmale debattiert. Ein Student beschreibt dort eindringlich die Ernüchterung nach der Ankunft in Deutschland: Trotz aller Qualifikationen bleibt das Gefühl, nie ganz dazuzugehören. Der Versuch der Anpassung beginnt oft bei der äußeren Hülle – Kleidung, geglättetes Haar, bis hin zur gefährlichen Aufhellung der Haut.
Einen besonderen Stellenwert gilt der Aufhellung der Hautfarbe: Eine Kundin berichtet, dass sie in ihrer Heimat schon als Kind angehalten wurde täglich eine Creme aufzutragen, die als samtige Haut verkaufte wurde. In Wirklichkeit hellten sie die Haut auf und führten mitunter zu Hautschäden.
Der Ladenbesitzer betrachtet diesen Trend mit einer Mischung aus Skepsis und ästhetischem Unverständnis: Er sinniert über die fleckige Optik, wenn nur Gesicht und Hände aufgehellt werden – für ihn das Gegenteil von Schönheit. Ein Kunde berichtet, dass die Ostdeutschen alles wissen wollen über Afrika. Er fühle sich wie ein „Entwicklungshelfer“ und führe das darauf zurück das die Afrika nur von der Landkarte kannten.

Der Film Kopf Faust Fahne – Perspektiven auf das Thälmann-Denkmal von Betina Kuntzsch dokumentiert die Errichtung des Denkmals des in der DDR hochverehrten Widerstandskämpfer Ernst Thälmann. Sie verknüpft mittels 10 Kurzfilme lose miteinander verbundene Geschichten über Vergangenheit und Gegenwart des Denkmal-Standortes. Der Streit um das Denkmal hat bereits mit der Stilllegung des 108 Jahre alten Gaswerks begonnen. Das Werk hatte den Bezirk mit Energie versorgt, dabei mit seinen Emissionen das Wohnumfeld nachhaltig belastet. 1981 wurde das langgehegte Vorhaben beschlossen, an dieser Stelle, einen großen Wohnpark, mit Denkmal und Versammlungsplatz zu errichten. Ernst Thälmanns 100. Geburtstags sollte damit gebührend gewürdigt werden. Die Sowjetunion unterstützte das Vorhaben.
Das Gaswerk wurde abgerissen. Zuletzt fielen die Gasometer, die das Stadtbild maßgeblich prägten, durch ihre erhabene Größe und ihre besondere Architektur. Es kam während der Abrissmaßnahmen zu Bürgerprotesten. Auf einem Protestplakat ist zu lesen: Berlin ohne Gasometer, ist wie Boulette ohne Hackepeter.
Insgesamt dauerte das Bauprojekt von 1981-1986.
Das 1986 mit einem Staatsakt eingeweihte Denkmal wiegt 50 Tonnen Bronze. Es soll die gesamte DDR-Jahresproduktion an Bronze gebraucht haben.
D
en Filmdokumenten folgend, hat Erich Honecker persönlich den russischen Künstler Lew Jefimowitsch Kerbel ausgesucht und und damit die eigentliche für die Auswahl verantwortliche Kommission Kunst am Bau übergangen.
Es sollte gesichert sein, dass das Denkmal von der Macht der führenden Partei und dem unaufhaltsamen Sieg des Sozialismus verkündet.
Mit der Neubewertung von Thälmanns historischer Rolle nach der Wende wandelte sich auch die öffentliche Wahrnehmung des Monuments. 1993 wurde sogar sein Abriss beschlossen. Dass das Denkmal bis heute steht, ist nicht zuletzt seinem enormen Gewicht und den damit verbundenen hohen Abrisskosten zu verdanken. Inzwischen steht es – ebenso wie der gesamte Thälmann-Park – unter Denkmalschutz.
Fazit: Ein bemerkenswerter Dokumentarfilm, auch technisch vielschichtig.
Link: https://www.berliner-zeitung.de/open-source/held-oder-schurke-der-endlose-streit-um-das-ernst-thaelmann-denkmal-li.204704
Link:
Head Fist Flag” – Documentary about the Thälmann Memorial

13.03.2026 Zeughauskino: Frauenbilder Ost (45.)
Das Zeughauskino widmet einen Abend drei Filmen der ostdeutschen Filmemacherin Gitta Nickel. In Sie (1970) dokumentiert sie Arbeiterinnen und Leiterinnen des Ostberliner  VEB Textilkombinat Treff-Modelle. Der nahezu reine Frauenbetrieb bietet viele Möglichkeiten beruflicher Weiterbildung. Auch die Mehrbelastung durch Mutterschaft steht dem nicht grundsätzlich entgegen – selbst dann nicht, wenn ein Meisterbrief mit entsprechend hoher Verantwortung verbunden ist. Deutlich wird auch, dass die meisten dieser Frauen zuhause durch ihre Gatten keine oder nur wenig Hilfe erfahren. So nutzen nicht alle die ihnen gebotenen Möglichkeiten. Die Anwesenheit der Gynäkologin Dr. Gisela Ottowirkt eher ungewöhnlich: Die Anwesenheit der Gynäkologin Gisela Otto wirkt eher ungewöhnlich: Sie ist anlässlich eines Parteivortrags „im Haus“ und nutzt die Gelegenheit, die Produktionsstätte zu besichtigen. Auf ihrer Erkundung erfragt sie, wie hoch die Frauenquote im Betrieb ist und wie hoch der Anteil an leitenden Positionen ist? Die Fragen wie Antworten wirken instruiert.
Man sieht sie außerdem bei einem Vortrag vor den Arbeiterinnen, in dem sie über Paarbeziehungen und Familienplanung spricht und mahnt, den „richtigen Zeitpunkt“ für Qualifizierung nicht zu verpassen. Ergänzend zeigt die Kamera sie bei ihrer Forschungs-arbeit sowie bei einer Entbindung.
So entsteht der Eindruck, zwei Filme in einem zu sehen: eine betriebliche Bestandsaufnahme und zugleich ein ideologisch geprägtes Porträt weiblicher Lebensrealitäten in der DDR.
Im Mittelpunkt des Dokumentarfilms Im Märzen der Bäuerin (1971) entführt Nickel den Zuschauer in das Dorf Worin. Ob im Kuhstall, im Schweinestall oder beim Hüten der Schafe – die porträtierten Bäuerinnen wollen selbst am Internationaler Frauentag ihre Tiere nicht in die Hände der Männer geben. – Denn nur sie selbst wissen, was am besten für die Tiere ist. Auskunft über das Leben im Dorf gibt Bürgermeister Grönert: Er erinnert daran, dass nach dem Krieg ein großer Männermangel im Ort herrschte. Die Frauen mussten daher die Arbeiten bewältigen – und das ganz ohne Hilfsmittel. Auch heute sei harte körperliche Arbeit in der Landwirtschaft noch Tagesgeschäft, aber der Gründung einer Kinderkrippe gibt auch Errungenschaften, erzählt er mit Stolz.
Mir noch lange in Erinnerung  bleiben wird der Film … und morgen kommen die Polinnen (1974), der den einmonatigen Arbeitseinsatz einer Gruppe polnischen Vertragsarbeiterinnen in einer Hühnerschlachtfabrik in Storkow bei Berlin dokumentiert. Die deutsche Vorarbeiterin Christa ist überzeugte Sozialistin, deren höchstes Ziel, die Planerfüllung und damit Anerkennung der Parteiführung nachstrebt. Sie ist für die ordnungsgemäße Anlernung der Gastarbeiterinnen verantwortlich. Innerhalb von zwei Wochen werden sie dieselbe Stückzahl an Hühnern bearbeiten wie die deutschen Kolleginnen. Andernfalls gibt es Abzüge bei der Prämienzahlung. Monat für Monat kommen neue Arbeiterinnen, die mit den deutschen Arbeiterinnen am Fließband Hühner töten, häuten, ausnehmen, zerteilen, braten und verpacken. Schonung für den Zuschauer hinsichtlich der verwendeten Bilder gibt es nicht.
Das Massentöten geschieht so:  Die noch lebenden Hühner werden Kopfüber an die sich wie ein Skilift bewegenden Harken auf gehangen und in Richtung eines Schachts transportiert, wo sie aus dem Sichtfeld verschwinden. Als sie wieder zu Gesicht kommen, reißt auch schon ein neues Werkzeug ihre Haut vom Leib. Anschließend kommen zwei Arbeiterinnen zum Einsatz, die den Hühnern mit einem Messer einen Schnitt an der Kehle verpassen, wobei einige von ihnen noch zappeln. Das Transportband erreicht nun die Station, bei der den Hühnern die Eier entnommen werden.  Anschließend ritzt eine  Arbeiterin dem Huhn mit einer Art Messer zwei Schnitte in den Schritt, damit anschließend dem Huhn mit einer Art Löffel und Kraft der Hände die Eingeweide entnommen werden können. Alle Frauen tragen helle Arbeitskleidung und darüber abwischbare Kittelschürzen, die zunehmend mit Hühnerblut beschmutzt werden.
Über die Auswirkungen der schweren manuellen Arbeit erfährt man an anderer Stelle, als spricht Christa mit leitenden Arbeitern des Betriebs über die Erkrankungen der Frauen spricht, die nach vier bis fünf Jahren ihre Hände nicht mehr benutzen können, wenn sie Tag um Tag den Hühnern die Eingeweide entnehmen. So fordert darauf Bezug nehmend logischerweise ein männlicher Funktionär den Einsatz von Maschinen. Die Frauen sollen entlasten werden, plädiert er. Es klingt wie auswendig gelernt.
Das Verhältnis von Christa und den ihren deutschen Kolleginnen zu den Polinnen ist gekennzeichnet durch die Erwartung, dass sie volle Arbeitsleistung erbringen. Sie nimmt aber auch wahr, dass die Polinnen von anderem Schlag sind und schneller Kontakte schließen. Man müsse ihnen auch was bieten, erklärt sie. Sie lädt sie zu geselligen Abenden ein, auch zu sich nach Hause. Die Deutschen nehmen auch wahr, dass die Polinnen fern ab von ihrem Zuhause Heimweh haben, besonders auch ihre Kinder vermissen. Wenn man sich fragt, welche Motive die Polinnen nach Storkow brachte, dabei erfährt, dass es um das Erlernen der deutschen Sprache oder der Qualifikation an den Maschinen geht, dann klingt das hochmütig.
Fazit: Brutal gut. 

9.03.2026 Zeughauskino: Wie ich ein Neger wurde (44.)
Das Filmdebüt Wie ich ein Neger wurde (1971) des Theaterregisseurs Roland Gall entstand nach dem Roman Jugend ohne Gott (1937) von Ödön von Horváth.  In einer süddeutschen Knabenschule beten die Schüler den im Lehrbuch dargestellten Wahrheiten hinterher und sprechen unverhohlen von Negern. Als Gall den Film 1971 drehte, gehörte dieser Begriff noch zur Alltagssprache.
Unverhohlen führt die Handlung den Zuschauer in die Wertepolitik der „weisen Rasse“  ein, indem sie Kolonisierung Afrikas als gerechtfertigt darstellt: Die Einheimischen seien unfähig, mit ihren Bodenschätzen umzugehen — während sie selbst diese Ressourcen nutzen und daran wirtschaftlich profitieren. Den „Neger“ kennzeichnen Dummheit, Minderbegabung, Unbeholfenheit. Die Hauptakteure der Handlung beschränkt sich vorwiegend auf die Knabenklasse und ihren Klassenlehrer Lorenz, kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Lorenz möchte seine Schüler zu selbständig, denkenden jungen Menschen erziehen, doch die „Junge Saat“ ist längst durch deren Eltern verdorben. Durch seine sozialliberalen Ansichten gerät er ins Visier von Eltern und Schülern  und wird zunehmend isoliert. Zu allem Übel muss er mit der Klasse in ein paramilitärisch Sommerzeltlager fahren und zu sehen, wie die Schüler durch einen Veteranen gedrillt werden. Als sein Schüler Julius Cäsar einen Mord begeht, sieht er tatenlos zu, wie dafür ein unschuldiges Mädchen verantwortlich gemacht wird. Nach dem Zeltlager nimmt Lorenz seine Sachen und emigriert nach Afrika, um an einer Missionsschule zu unterrichten. Positives Ende? Ich denke nicht.
Fazit: Film habe ich mit großer Aufmerksam gefolgt. Ich werde nun auch die Romanvorlage lesen. 

8.03. 2026 Metropolis (43.)
Zum Internationalen Frauentag schenkte ich mir die Filmvorführung Metropolis, von Fritz Lang, ein Stummfilm von 1927. Das Babylon Kino führte den Film mit Live-Orchester auf. Anfangs noch fragend, ob es ein Unterschied macht, ob Live-Musik oder nicht, versank ich zunehmend in die Filmgeschichte um die Maschinenmenschen, die ihren Herren namenlos und ohne jede Identität dienen, und der monumentalen, expressionistischen Bildwelt. Es war einfach nur… Ich verließ das Kino in vollkommener Glückseligkeit.

7.03.2026 Zeughauskino (42,)
Das Zeughauskino zeigt: Riefenstahl, ein Film des Regisseurs Andres Veiel und der Produzentin Sandra Maischberger über die Filmregisseurin Leni Riefenstahl.
Zur Vorgeschichte: Maischberger hatte Riefenstahl 2002 interviewt und den Eindruck erhalten: „Sie lügt.“ In einem Interview sagte sie dazu: „Nicht eine einzige Sache hatte ich aus ihr herausgelockt. Und ich dachte, das kann es nicht gewesen sein.“ (Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Riefenstahl_(Film).
Daraufhin beschäftigte sie sich intensiv mit Riefenstahl und es entstand die Idee einen Dokumentarfilm zu machen.  2016 erhielt die Stiftung Preußischer Kulturbesitz den Nachlass der Riefenstahl Erben. Darunter waren Skripte, Briefe, Notizen, Filmschnipsel, Fotografien, privaten Super-8-Aufnahmen, Kassetten mit Telefonmitschnitten und diverse Entwürfe für ihre Memoiren. 2018 stieg Andres Veiel mit einem Team in die Produktion ein. 2024 erfuhr der Film seine Premiere. Seither hat er fortlaufend internationale Anerkennung erfahren.
Der Film widmet sich vor allem den Leerstellen, die Reifenstahl in ihren Memoiren für immer geschwärzt sehen wollte. Sie hat z.B. bestritten, dass sie Adolf Hitlers: Mein Kampf gelesen hatte, was durch ein Interview, im Daily Express, vom April 1934 widerlegt werden kann.
In Macht der Bilder spricht Ray Müller die Regisseurin1993 auf die Tagebücher von Heinrich Göbel, von 1933 an, aus denen hervorgeht, dass Leni Riefenstahl bei Hitler ein und aus geht, wie eine gute Bekannte. „Das ist reine Fantasie“, sagt sie. „Ich kenne diese Behauptungen aus seinem Tagebuch.“ 10 Einträge sind nachweisbar, entgegnet Müller ungerührt. Spätesten jetzt tritt Riefenstahl ihrem Gesprächspartner ablehnend gegenüber.  Anfangs noch in sitzender Position mit gestikulierender, abwehrender Handbewegung, die in eine stehende Haltung übergeht – nun auf ihn draufschauend, diesem „unwürdigen, impertinenten Gegenüber“. Auch ihre Stimmlage wirkt zunehmend höher, lauter, gepresster und schneller.  Sie verlangt einen Nachweis für die Behauptung aus Göbels Tagebuch. Gibt Müller andererseits nicht den Raum, diesen zu erbringen. „Das wollen wir abbrechen,… von gesellschaftlich, da hätte ich zumindest einmal  bei ihm privat eingeladen wären sein müssen. War ich nie!… Ich war nicht nur nicht da, ich war nicht eingeladen.“, erklärt sie aufgebracht. “ Was sie da gesagt haben, das ist ja unglaublich… Das habe ich privat mit Ihnen gesprochen. Glauben Sie vor der Kamera würde ich sowas sagen?“ Hier bricht sie das Interview ab, verbietet die Aufnahmen zu veröffentlichen. Nach dem Tod des Ehemanns Horst Kettner´s, fiel der Nachlass in öffentliche Hand.
Im nachfolgenden Publikumsgespräch macht Veiel deutlich, dass Riefenstahl sich mit Ende des 2. Weltkriegs umfänglich mit ihrem Ruf nach ihrem Tod beschäftigt war. Als große Filmemacherin ohne Tadel und Fehler wollte sie in die Geschichtsbücher eingehen. Den Vorwurf, sie ist eine Nazi-Propagandistin, den wollte sie aus dem Gedächtnis des deutschen Volkes ausgetilgt wissen. Riefenstahl hat nach 1945 diverses persönliches und berufliches Material archiviert und geordnet. Veiel erklärte, dass nicht gesichert werden kann, was in ihrem Besitz war und was sie davon vernichtet hat. Man geht davon aus, dass die auch im Film zitierten Telefonmitschnitte hingegen unverändert im Original erhalten sind. Im Film wird ein Ausschnitt aus WDR- Talkshow: Je später der Abend von 1976 eingeführt. (Link: https://youtu.be/yCi_0jSg_6A) Leni Riefenstahl wird mit einer Frau konfrontiert, die als Elfriede Kretschmer, ehemalige Arbeiterin und damals 1976, mit über 70 Jahren vorgestellt wird. Kretschmer kritisierte dabei Riefenstahl wegen ihrer „unpolitischen“ Haltung. Die Regisseurin stellte klar, dass sie lediglich eine Künstlerin ist, und keine NS-Propaganda gemacht habe. Nach der Talkshow erreichten Riefenstahl unzählige Anrufe, die sich u.a. darüber empörten, wie man ihr, der Riefenstahl, so eine niedere Person an die Seite setzen konnte. Diese Aufnahmen zu zu hören, verdirbt jedes Essen. Zeigt mir aber auch welches Geistes Kind die deutsche Nachkriegsgesellschaft (BRD) gewesen ist.
Fazit: Unbedingt sehenswert. Tipp: Im September erscheint auch ein Buch zu dem Film mit ergänzendem Material u.a.
Noch bis 31.05.2026 in der Mediathek: https://www.ardmediathek.de/video/riefenstahl/riefenstahl/wdr/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLXNvcGhvcmEtOWU3NGEyNjMtNzY1Ni00YmY5LTg5ODQtZDM2NmFlMDg4OTll

6.03.2026 Atelier (41.)


5.03.2026 Atelier (40.)
Nach einer 1,5 wöchigen Renovierungsarbeit in meiner Wohnung ist heute endlich Zeit, mich meiner Malerei zu widmen und so male ich, was das Zeug hält.

3.03.2026 Unsere Besten: Babylon Kino (39.)
Mit Brigitte Bardot den Beziehungsfilm Jahrgang 45 gesehen – eine DEFA-Produktion von Jürgen Böttcher aus dem Jahr 1966 –, der in der Reihe Unsere Besten im Kino Babylon läuft. Der Film ist unaufgeregt. Ein Paar geht getrennte Wege, weil er, Al, sich in der Beziehung langweilt. Die Scheidung wird eingereicht. Das eigene Beziehungsleben durch Anwälte verhandelt. Auch trennt sich das Paar räumlich. Während sie innerlich verletzt von seinem Desinteresse an ihr damit kämpft Stärke zu zeigen, wenn sie ihm begegnet, nutzt er seine verbleibenden Urlaustage dazu mit Freunden abzuhängen. In einer ehemaligen Musikkneipe, die er vorübergehend bezogen hat, besucht ihn seine frühere Rita. Sie flirten, doch den letzten wichtigen Schritt für einen Kuss, eine innige Umarmung… bleibt aus. Seine Freunde raten ihm ab, davon seine Ehe mit der Krankenschwester Li aufzugeben, die von allen in ihrer damaligen Clique zutiefst begehrt wurde. Al erfährt, das Li zu einer Disco gegangen ist. Als er eintrifft, tanzt sie mit einem Mann. In ihm steigt Eifersucht auf, tanzt mit einer Frau. Li sieht ihn mit der Frau und geht. Al, Kfz-Mechaniker, geht am nächsten Tag zur Arbeit, obwohl er noch Urlaub hat. Redet mit dem Meister und kann bleiben. Während des Tages wird er ins Büro gerufen. Der Kaderleiter seines Betriebes und der Meister appellieren an ihn, sich nicht scheiden zu lassen. Al wehrt die Einlassungen ab, es sei seine Privatsache. Hier frage ich mich ernsthaft, ob DIE PARTEI  wirklich Anteil an dem Privatleben seiner Bürger teilnahm? Mit Freunden besucht er ein Neubauviertel, das gerade im Entstehen ist. Eine befreundetes Paar zeigt ihnen ihre zugewiesen Wohnung. Das Paar wird betont sich einander liebend dargestellt. Al fährt im Anschluss zur Arbeitsstelle von Li, die gerade jungen Eltern ihr Neugeborenes zeigt. Ein zweiter Wink für Al, es sich noch einmal zu überlegen. Beide fahren ins Grüne und schauen auf einen Hügel sitzend auf die Baustelle. Ich dachte, dass soll wohl heißen, dass das Paar noch eine gemeinsame Zukunft hat.
Fazit: Ein langsamer, unscheinbarer Film über das Scheitern von Beziehungen: Weniger an großen Dramen, mehr an Gleichgültigkeit und fehlender Kommunikation. Der Film wurde 1966 in Berlin an Originalschauplätzen im Käthe-Kollwitz-Kiez, in der Zionskirchstraße und am Teutoburger Platz gedreht. Durchaus sehenswert. Einen schalen Geschmack bringt allerdings, dass der Film von den Obrigkeiten Ablehnung erntete, weil die Figur des Al nicht in ihre sozialistische Vorstellung passte. Mehr auch unterhttps://de.wikipedia.org/wiki/Jahrgang_45 Da stellen sich meine Haare auf.

1.03.2026 Unsere Besten: Babylon Kino (38.)
In Gesellschaft von Charlotte sehe ich den DEFA-Dokumentarfilm Winter adè von Helke Missewitz, aus dem Jahr 1988.  Das Babylon Kino präsentiert den Film in der in der Reihe: Unsere Besten. Auf einer (konstruierten) Zugfahrt fährt die Regisseurin durch die DDR und porträtiert Frauen.
Manchmal waren die Episoden so kurz, dass ich mich fragte, warum Missewitz sie überhaupt einführte. So wie die in der Puppenklinik bei Frau Helene Wolf in Delitzsch. Die Kamera und Regie erlaubt lediglich sie zu beobachten, wie  als sie einen Kunden bedient.  Da hätt` ich mir mehr gewünscht. Auf die eingeführte Episode mit einer Tanzlehrerin dagegen verzichtet.
Die zwei 17-jährigen Punks Kerstin und Anja, ein Zufallsfund? Beide sind mit Frisieren ihrer Haare beschäftigt. Auf die Frage, was sie interessiert, gestehen sie, dass das Nichts sie interessiert, dass sie rumzugammeln wünschen. Eine der beiden Mädchen war mal ganz gut in der Schule. Mittlerweile haben beide schlechte Noten. Die Regisseurin trifft sie mehrmals. Macht mit ihnen eine Geschichte im Film. Inzwischen sind sie von Zuhause abgehauen. Treiben sich bei Kumpels rum. Machen Party. Wegen ihres Schulschwänzens landen beide Mädchen nach den Dreharbeiten in einem Jugendwerkhof. Das löst bei mir Unbehagen aus. Jugendwerkhof, das war nichts Gutes im Osten. Davon hatte ich schon damals eine Ahnung erhalten. In meiner Stadt gab es so eine Einrichtung. Ich kam dran vorbei, wenn ich meine Mutter von der Arbeit abholte. Nein, Stimmen oder Geräusche hörte ich nicht, aber durften die überhaupt welche machen? Es kursierten die wildesten Gerüchte… Missewitz filmt das Ehepaar Margarete und Hermann Busse bei ihrer Diamanthochzeit: Die Familie ist zusammengekommen. Das Paar wird geehrt. Alle vier Kinder und deren Nachkommen leben in Familienverbänden. Keiner ist geschieden. Margarete erzählt der Regisseurin unter vier Augen, dass ihr Hermann nicht so gut ist und war, wie er hier erscheint. Fremdgegangen ist er, während sie mit den Kindern daheimsaß. Sie hat ihn kennengelernt, hat ihn geküsst. Was hatte sie vom Leben schon gewusst. Gleich beim ersten Mal schwanger geworden. Sie musste ihn heiraten. Das war damals so. Hätt´ sie doch den anderen genommen, den Sohn vom Förster.  Anders wär´s gekommen, besser. Das war ein Moment, leider zu selten in dem Film.
Fazit: Zwiespältig. In großen Teilen zerfahren. Charlotte wird in der Nachbetrachtung sagen: Es wirkte, wie in einem Fotoalbum zu blättern. Die Anzahl der Fotoalbumseiten ist hoch und die Abbildungen teils kontrastarm, ergänzte ich ihre Betrachtung.

25.02.2026 Unsere Besten: DEFA-Filme (37.)
In der Reihe Unsere Besten präsentiert das Babylon Kino den DEFA-Spielfilm Die Beunruhigung, von Lothar Warneke, aus dem Jahr 1982. 
Die Handlung wird in Form einer Rückblende erzählt. Die ersten Bilder zeigen Christine Schorn als Inge Herold, kurz vor dem Aufstehen im Bett, neben Joachim, einem verheirateten Mann. Sie steht vor ihm auf, geht ins Bad und erledigt ihre Morgenwäsche. Währenddessen tastet sie ihre Brust. Anschließend zieht sie sich an, isst im Stehen eine Stulle und trinkt Kaffee, bevor sie das Haus verlässt. Sie ist geschieden, selbstbewusst und lebt in Berlin. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt sie zur Arbeit. Sie betritt ein großes, altes Gebäude, in dem sie als Psychologin in der Familien- und Eheberatung arbeitet und Menschen in Krisensituationen unterstützt.
Auf der Arbeitsstelle erreicht sie ein Anruf aus dem Krankenhaus. Sie soll noch am selben Tag sich beim Arzt vorstellen. Sie verlässt die Arbeit und sucht den Arzt auf. Im Wartezimmer finden kurze Episoden mit anderen Frauen statt, wie: Eine Frau ist in Sorge, dass sie operiert werden muss, die andere hat die Operation bereits hinter sich. Sie wird aufgerufen von einer Schwester, die sie in eine Umkleidekabine führt.  Sie solle sich frei machen. Vor dem Arzt tritt sie in Unterrock. Die Röntgenuntersuchung habe einen Verdacht erbracht, erklärt er ihr. Es muss nichts bedeuten, aber eine Biopsie ist nötig. Morgen kommen sie ins Krankenhaus, auf Station… Der histologische Befund entscheidet, wie wir weiterverfahren. Ggf. wird die Brust abgenommen. Sie müssen heute noch der OP zustimmen. Inge geht nicht zurück zur Arbeit. Sie besucht ihre Mutter und bittet sie auf ihren Sohn Mike aufzupassen, während sie im Krankenhaus ist. „Bist du Schwanger?“, fragt sie ihre Tochter vorwurfsvoll. „Nein, ich bin nicht schwanger.“ Die Mutter fragt nicht weiter nach und Inge klärt sie nicht weiter auf. Vorher hat sie Joachim auf Arbeit angerufen, ihn gebeten nach der Arbeit zu ihr zu kommen. Sagt aber nicht warum. Dieter sagt, dass er sich bemüht und kommt. Sie geht einkaufen; Fleisch, viele Flaschen Sekt u.a. Zuhause trifft sie auf Mike, der Freunde eingeladen hat. Sie hören Musik und Feiern. Sie wirft alle raus. Scheuert ihrem Sohn eine während der Auseinandersetzung. Der haut ab. Sie verlässt ebenfalls die Wohnung und besucht die Richterin Katharina Weber, mit der sie gemeinsam Abitur gemacht hat. Früher waren sie befreundet, doch ihre unterschiedlichen Lebenswege haben sie voneinander entfremdet. Katharina wirkt distanziert und kühl. Sie bleibt hinter ihrem Schreibtisch sitzen, selbst nachdem Inge sich als ehemalige Klassenkameradin zu erkennen gegeben hat. Inge will von ihr die Adresse ihrer Jugendliebe Dieter Schramm. Nach dem Katharina erst ablehnend wirkt, gibt sie Inge diese, als sie schon im rausgehen ist. Wenig später steht sie vor seiner Wohnungstür, doch er ist nicht da. Die Nachbarin bemerkt die Frau und bittet sie zu sich hinein. Dort trifft Inge auf eine scheinbar intakte Familie mit vielen Kindern beim Abendbrot an. Alle unterhalten sich, auch der Vater beteiligt sich an der Unterhaltung. Nach einiger Zeit verlässt Inge die Familie wieder und setzt sich auf eine Treppenstufe. Als Dieter mit seiner kleinen Tochter kommt, bittet er Inge hinein. Er versorgt das Kind. Als sie im Bett ist, unterhalten sie sich bei einer Flasche Wein. Er bringt sie zur S-Bahn. Sie fährt nach Hause. Zieht sich um. Kocht essen und deckt den Tisch. Sie öffnet eine Flasche Sekt, trinkt. Wartet. Der Sohn kommt. Er soll sich setzen, etwas Sekt trinken. Der hat aber eher Hunger. Sie bittet ihn zu essen und zu trinken. Sie entschuldigt sich für die Ohrfeige. Erklärt, dass sie ein paar Tage ins Krankenhaus muss. Sie fragt ihn nach einem bestimmten Mädchen. Er beichtet, er sei verliebt. Inge freut sich für ihn. Er geht ins Bett. Sie wartet auf Joachim. Er erscheint eine Stunde, bevor Inge ins Krankenhaus muss. Er war auf einer Feier gewesen, erklärt er schuldbewusst. Er konnte sich nicht losmachen. Sie bittet ihn sie ins Krankenhaus zu begleiten, da die Ärzte nur der Begleitperson die Wahrheit über ihren Gesundheitszustand sagen würden.  Einige Zeit später, die Operation liegt hinter ihr. Ein ähnliches Szenenbild wie am Anfang. Nur erwacht Inge nicht mit Joachim, sondern mit Dieter. Er fragt sie, ob er nicht doch mit zur Untersuchung kommen soll. Das sei nicht nötig, erklärt sie. Er besteht darauf, sie wenigstens abzuholen. Sie verneint nicht. Ende.
Fazit: Der Film hat Tiefgang, ist authentisch, wahrhaftig und berührend. Ich verließ das Kino und war erstmal still. Chapeau! P.S. Auch sehr klug, dass der Film in schwarz/weiß gedreht wurde.

23.02.2026 Zeughauskino (36.)
Das Zeughauskino widmet dem Kameramann und Regisseur Dieter Chill zwei Abende unter dem Thema: Dokumentarische Porträtfilme aus drei Jahrzehnten.  Heute läuft: Hella Hirsch und ihre Freunde von 2007; Ich bin mit meiner Angst allein von 1992; Ich bin einfach der leidenschaftlichste Mensch, der existiert von 1987 und HeymStadt von 2012.
Fazit: Ich habe für morgen auch ein Ticket. Ich gehe nicht hin.

22.02.2026 Zeughauskino (35.)
Das Zeughauskino zeigt den DEFA-Film Bankett für Achilles aus dem Jahr 1975, unter der Regie von Roland Gräf. Die Handlung spielt im Chemie-Kombinat Bitterfeld, einem der umweltschädlichsten und arbeitnehmerfeindlichsten Orte der DDR (siehe auch Blogeintrag vom 16.02.2026).
Erwin Geschonneck in der Hauptrolle des Karl Achilles, der nach dem er das Werk aufgebaut hatte, nun mit 65 Jahren als Meister in Rente geht. Der Betriebsarzt untersucht ihn und bekundet, dass es gut um seine Gesundheit steht. Er könne noch zwei Jahre dran hängen. Achilles lehnt ab. Er wolle mehr Zeit mit seiner Familie verbringen. Dabei steht es damit nicht zum besten. Einzig seine Lebensgefährtin, Marga, stellt eine Konstante dar.

Achilles hat jedoch Schwierigkeiten, sich mit dem Ruhestand abzufinden. Im Verlauf des Films wird unaufdringlich deutlich, dass er mit den neuen technischen Entwicklungen nicht mehr Schritt halten kann. Sein jüngerer, studierter Kollege hilft ihm, sorgt sich um ihn und begleitet ihn durch den Wandel. Am Ende des Films erkennt Achilles, dass er sich nicht mehr vorstellen kann, zur Arbeit zurückzukehren. Diese Erkenntnis verändert alles: Er räumt seine persönlichen Sachen vom Arbeitsplatz und lässt sogar das kleine Beet auf einer Brache des Chemiewerks, das er stets liebevoll gepflegt hatte – aber in dem nichts gedeiht – zurück.
Seine Lebensgefährtin hat mit den Arbeitern des Betriebes eine Abschiedsfeier organisiert. Er lässt sie über sich ergehen, freut sich aber nicht. Als ein Geburtstagsfilm ihm seine „Altersbeschwerden“ vorführt, verlässt er  – angeekelt von der Scheinheiligkeit der Kollegen – die Feier. Erst spät am Abend kehrt er zurück. Am nächsten Morgen verlässt er seine Wohnung wie gewohnt in der Früh zur Arbeit, mit Stullen in der Tasche. Er hält an, am Vortag zerstörten Beet und legt es wieder an.
Fazit: Erstaunlich, dass dieser Film nicht verboten war. Es gab zahlreiche Bilder, die mit dem Finger auf die schwere, gesundheitsgefährdende Arbeit und auf die desolaten Schäden der Umwelt zeigten.
Ich mochte das Tempo des Films, die Kameraeinstellungen und die Art und Weise, wie Maschinen und Menschen in Szene gesetzt wurden. Die Charaktere der einzelnen Rollen, sind sparsam angelegt, agieren aber bildgewaltig. Ich genoss jede Minute des Films. Und natürlich wird der Film auch durch Erwin Geschonneck als Hauptdarsteller getragen, dessen Leistung entscheidend zur Wirkung des Films beiträgt.

21.02.2026 Kino (34.)
Um 14 Uhr gehe ich ins Kino Colosseum, im Prenzlauer Berg. Im Auftrag von Nancy schaue ich mir den Film Therapie für Wikinger von Anders Thomas Jensen an, um ihr anschließend Bericht zu erstatten. Auch der Film Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke steht auf meiner To-do-Liste.
Die Jensens Filmgeschichte ist skurril: Der Protagonist Anker wird nach einer 15-jährigen Haftstrafe wegen Raubes mit Todesfolge aus dem Gefängnis entlassen. Er sucht seinen Bruder Manfred auf, der damals das Geld aus dem Überfall für ihn versteckt hatte. Manfred leidet an einem Kindheitstrauma. Sein Alter Ego hält sich für John Lennon. Beider Schwester Freja kümmert sich um Manfred, der in einer Sozialwohnung lebt. Anker soll Manfred nur mit „John“ anreden – doch darauf lässt er sich zunächst nicht ein. Erst nachdem Manfred mehrfach durch gefährliche Aktionen auffällt – etwa indem er aus dem Fenster springt oder während der Fahrt den Sicherheitsgurt löst, die Autotür öffnet und auf die Straße fällt – lenkt Anker ein. In Begleitung des angeblichen Psychiaters Lothar, der vorgibt, Manfred von seiner Störung heilen zu können, fahren die drei in das ehemalige Haus der Eltern.
Das wäre alles noch erträglich und irgendwie sinnhaft, wenn nicht „Fleming“, der mit Anker damals den Geldtransporter ausraubte, nicht aufgetaucht wäre und von Anker den Rest der Beute verlangte. Flemming ist eine wütende, brutale Filmfigur, die in hässlichster und brutalster Art jeden zu Tode schlägt. Die an den Tag gelegte Brutalität schlägt mir dermaßen auf den Magen, dass ich Nancy im Anschluss anrufe und mich über die Brutalität beschwere und sie frage, warum sie mich um Gottes Willen, in so einen brutalen Film schickt.
Mal im Ernst: Die Figur des Flemming trägt nichts zur Handlung bei. Meiner Ansicht nach ist sie nicht nur überflüssig – sie schadet der gesamten Geschichte.
Fazit: Nicht zu empfehlen. Schade. Da halte ich mich lieber an Jensens Film Adams Äpfel.

20.02.2026 Atelier (33.)

19.02.2026 Atelierbesuch (32.)
Ich arbeite. Zwischendurch kommt P. mich besuchen. P. betrachtet alles, was offen rumsteht-rumliegt. P. wirkt interessiert: guckt, fragt nach. P. lässt sich Vorlagen zu den Bildern zeigen. P. will wissen, was ich von den Vorlagen für meine Bilder benutze, was nicht.  Ich zeige P. ein paar Vorlagen von Bildern.  P. fragt, wie ich zu den Farben komme. Die, beantworte ich wahrheitsgemäß, kreiere ich selbst und so weiter. Mit Farbe konnte ich schon immer und so weiter. Nach dem Abgang von P. male ich weiter an meinen Bildern. Gegen 23 Uhr fahre ich nach Hause. 

16.02.2026 Zeughauskino (31.)
Der im Geheimen von der DDR-Umweltgruppe „Netzwerk Arche“ gedrehte Dokumentarfilm Bitteres aus Bitterfeld – eine Bestandsaufnahme aus dem Jahr 1988 dokumentiert eindrücklich das Ausmaß der Umweltverschmutzung in der Industrieregion um Bitterfeld. Neben dem Chemiekombinat Bitterfeld spielte auch der Braunkohletagebau eine prägende Rolle für die wirtschaftliche Entwicklung der Region. Große Kippenwälder prägten die Landschaft.
Viele technische Anlagen wurden auf Verschleiß gefahren. Die Standards des Arbeitsschutzes und des Umweltschutzes wurden ausgesetzt zugunsten der Produktion. Dem Zentralkomitee der SED waren die Mängel unlängst bekannt. Forderungen nach Investitionen wurden dennoch abgelehnt.
Der Film begleitet seine Bilder zerstörter Landschaften mit eindringlichen Kommentaren. Eine Off-Stimme beschreibt etwa Deponien, auf denen chemische Rückstände lagern: „Unter einer vertrockneten Decke aus einer Wasser-Asche-Mischung schlummern Gifte aus der Familie der halogenierten Kohlenwasserstoffe. Sie sind Zwischenprodukte für Kunststoffe, Lösungsmittel und Schädlingsbekämpfungsmittel …“ Darunter befanden sich Schadstoffe, die sich über lange Zeit nicht im Boden abbauen, die das Grundwasser vergiften. Im Film heißt es: Niemand beaufsichtigt diese Deponien. Niemand kontrolliert den ablaufenden chemischen Prozess.
Es ist zum Weinen und kein Einzelfall. Ich denke, es ist ein Verbrechen an die Menschheit.
Link zum Trailer:
https://youtu.be/ULaE5o3n3Bc

15.02.2026 Zeughauskino (30.)
Die Schmerzen der Lausitz von Peter Rocha (1989/90) ist ein eindrücklicher DEFA-Film von großer Intensität. Die Kamera hält unnachgiebig auf die abgebaggerte Landschaft, die Kippenwälder, in einer Art und Weise, dass ich Gnadenlosigkeit dieser Aufnahmen bis ins Mark hinein spürte. Diese Bilder werden durch einen O-Ton der Umgebung und der Maschinen verstärkt. Außer den bildgewaltigen Aufnahmen, tragen die beteiligten Interviewpersonen zu seiner Intensität bei, die aus ihren Perspektiven das Leben mit der Kohle und seinen Auswirkungen auf die Bevölkerung betrachten.
Der Schriftsteller Jurij Koch berichtet von den über Jahrhunderte gewachsenen soziokulturellen Nachbarschaften und Praktiken der Dorfkultur in der Lausitz. Mit dem Verlust von Hof und Gut durch den Braunkohletageabbau können ihre Bräuche und Sitten in  den neu zugewiesenen Wohnungen kaum aufrecht erhalten werden. Sprache und Kultur drohe ernsthaft verloren zu gehen. Betrüblich ist zudem, dass sich die neuen Wohnungen in Plattenbauten befinden, die rings herum kein Fleck Grün zeigt. Durch die Austrocknung der Braunkohleabbauflächen ist der Boden so trocken, das alles was man dort pflanzt, mit der nächsten Windbö weggetragen wird.
Der Landschaftsarchitekt Otto Rindt wirkt auf mich zunächst merkwürdig, als er davon spricht, mitten auf einem Kippenwald ein Museum mit Findlingen zu errichten, die durch das Aufbaggern zahlreich zutage kämen. Im Laufe des Interviews zeigt sich, dass er dem Kohleabbau kritisch gegenübersteht: Das Abbaggern verursache das die verschiedenen Erdschichten durcheinander geraten, was das ökologische Gleichgewicht stört. Gleichzeitig richtet er den Blick nach vorn und plädiert für die Rekultivierung und Gestaltung der Bergbaufolgelandschaft im Lausitzer Revier.
Gerhard Gunderman, Baggerführer und Liedermacher, tritt im Film als Arbeiter des Tagebaus auf. Er bringt die Perspektive der Arbeiter ein, die ihre eigene Lebenswelt zerstören – und dass die Ausbeute zugleich ökonomisch fragwürdig und ökologisch problematisch ist.
Fazit: Berührend und großartig.
Link zum Trailer: https://youtu.be/RZ6pS1qwAmc

13.02.2026 Fotoausstellung (29.)
Statt irgendwo in Berlin Neukölln in einem Café zu treffen P., verlegen wir unsere Verabredung spontan ins Bethanien, um die Ausstellung Was bleibt zu besuchen. Präsentiert werden 18 fotografische Arbeiten, entstanden im Seminar der Ostkreuzschule für Fotografie unter der Leitung von Ina Schoenenburg. Die Fotos befinden sich genau in dem Raum, in dem ich im Dezember 2025 während eines Fotokurses meine Fotos an die Wand zur Ansicht anbrachte.
Von der Aufsicht, Selma Maglić, erfuhr ich, dass Schönenburg das Thema Religion für das Seminar vorgab. Wer eine autobiografische Verbindung dazu hatte, näherte sich dem Thema auf diese Weise; wer keine hatte, griff beispielsweise lokale Orte auf, etwa das House of One in Berlin-Mitte oder das Buddhistische Haus in Berlin-Frohnau. Maglićs fünf Farbfotografien der Serie Überlebenspräsenz zeigen ihre bosnische Heimat, deren Inhalt ohne ihre Erläuterung für mich nicht einfach zu dechiffrieren gewesen wären: Das oberste Foto zeigt ein Denkmal eines Massakers und damit auf den Grund ihrer Flucht aus der Heimat. Ein weiteres Bild zeigt von hinten eine Frau, die auf Häuser zuläuft. Das nächste zwei leerstehende, verwaiste Häuser mit Markierungen an den Mauern, die das Haus samt lebendem wie totem Inhalt als Kriegsbeute ausweisen und den Zweck seiner weiteren Bestimmung angeben. Ein weiteres Foto zeigt drei Frauen – unter ihnen eine Cousine der Künstlerin – auf einem Friedhof. Sie säubern die Grabsteine ihrer Angehörigen, notfalls mit kräftigem Schrubben. Die Frauen ihrer Sippe hätten dies immer im Zusammenhang mit dem Zuckerfest getan. Ein anderes Foto zeigt einen Garten mit einem Tisch und einer Kaffeetasse; Maglić verweist darauf, dass Bosnier sehr viel und gern Kaffee trinken. Alle Frauen auf den Fotos tragen einen Hidschab.
Einen persönlichen Bezug zu dem Unrecht, das den Bosniern während des Jugoslawienkriegs widerfuhr, habe ich auch durch den Film Quo Vadis, Aida? (2020) gewonnen, der die Ereignisse um das Massaker von Srebrenica eindringlich thematisiert.
Fazit: Ausstellungsbesuch hat sich gelohnt.

Selma Maglić

11.02.2026 Friedrich Zawel (28.)
Das Puppenspiel: Erbbiologisch und sozial, von und mit Nikolaus Habjan, wird im großen Saal des im Deutschen Theater aufgeführt. Brigitte Bardot und ich sitzen mittig, Parkett, erste Reihe. Ich wollte ganz nah sitzen, um das Puppenspiel genausten sehen zu können. In der Rückschau wäre vermutlich Reihe 6-9 besser gewesen, denn wir hatten „Untersicht“. Habjan hat mit Friedrich Zawrel, einem der Augenzeugen des Kinder-Euthanasieprogramms im Dritten Reich, das Stück gemeinsam anhand seiner Autobiografie erarbeitet. Friedrich Zawrel wurde 1929 geboren. Er landete während der deutschen Besatzung als Kind im Wiener „Spiegelgrund”, der zweitgrößten „Jugendfürsorgeanstalt” des Deutschen Reichs. Im Spiegelgrund wurden etwa 800 Kinder ermordet. Unter Heinrich Gross und Ernst Illing war er dort Medikamentenversuchen und schmerzhaften und demütigenden Methoden ausgeliefert. Er wurde auch als Studienobjekt für Krankenschwesternschülerinnen benutzt. Er überlebte das Dritte Reichs. Weil er weder eine Schul- noch Berufsausbildung hatte, wurde Zawrel mehrmals durch Eigentumsdelikte straffällig. 1975 wurde er in diesem Zusammenhang an den meistbeschäftigten Gerichtsgutachter Österreichs überstellt. Der Gutachter war Zawrels Peiniger Heinrich Gross. Statt bestraft zu werden für seine Verbrechen im Dritten Reich hat seine Kariere richtig an Fahrt aufgenommen. Er hatte allein damit 2.Mill. Schilling verdient. Gross sorgte dafür, dass Zawrel nach der Haftstrafe in eine Anstalt für gefährliche Rückfallstäter dauerhaft überstellt wurde, wo Groß ebenfalls tätig war. Durch die Hilfe eines Journalisten Werner Vogt gelingt es ihm, dies abzuwenden. 1981 wird Zawrel freigelassen. Ab 1998 hat er in unzähligen Schulen und Veranstaltungen als Zeitzeuge berichtet. Friedrich Zawrels Biografie ist wie eine Fahrt in die Hölle – in Dauerschleife, die den Zuschauer glauben macht, nicht recht zu hören, nicht recht zu sehen, da das „Elend“ kein Ende nimmt. Zum Puppenspiel selbst, ein Einmann-Spiel mit wenigen Requisiten. Jeder Szenenwechsel kostet Zeit, Wartezeit. Die Puppe besteht aus einem Silikonkopf an dem der Puppenkörper aus Stoff bis zur Körpermitte angenäht ist. Das Kinn kann bewegt werden, auf und ab. Die Arme liegen meist, da wo sie zuvor abgelegt worden. Zumeist kleine Gesten werden gespielt usw. Für mich ist das Puppenspiel wenig lebendig. Ich vermisste für die Worte die richtigen Bilder. Warum nicht als Hörspiel aufführen, dachte ich, wo ich doch nichts zu sehen bekomme.
Fazit: Keine Empfehlung von mir für die Aufführung. Ich empfehle eine Buchlektüre zu seinem Leben. Davon hat man mehr.

7.02.2026 Nikolaikirche Berlin Mitte (27.)
Gemeinsam mit P. besuche ich die Ausstellung: Heute noch, morgen schon, in der Nikolaikirche, Berlin-Mitte. Sie ist den gesellschaftlichen Umbrüchen in Berlin um 1990 große Filmausstellung gewidmet. X-viele, große Bildschirme sind an einem Baugerüst befestigt. Schilder an der Seite weisen die Daten des Films aus. Vor den Bildschirmen stehen Sitzgelegenheiten. Den Ton erhält man per Kopfhörer. Ein Farbsystem leitet den Besucher zu dem richtigen Ton des Films. Es leicht zu bedienen.
Wir schauen einen Teil des Films Unternehmen Paradies, 2002, von Volker Sattel. Der Regisseur beschäftigt sich mit den baulichen Veränderungen der Großstadt Berlin und dem Bestreben bedeutender zu werden. Die Frage ist für wen?
Besonders gefallen hat mir der Film Beigetreten! Dieses Wort „Drüben“, das kriegt man nicht so leicht wieder weg, 1991, von Nele Güntheroth und Thomas Hahn. In Ost- und Westdeutschland  werden am 4. Oktober 1990 Sechstklässler gefragt: Gestern ist die DDR zu Ende gegangen, heute haben wir ein Deutschland. Freut ihr euch darüber? Die Kinder beantworten vor laufender Kamera ihre Hoffnungen und Erwartungen, Ängste und Vorurteile die Frage. Aus manchen spricht der elterliche Mund, wie bei dem Jungen, der sich um Steuererhöhungen durch diese Vereinigung sorgt, da die DDR so arm sei. Die Ostkinder dagegen plagen Sorgen um drohende Arbeitslosigkeit der Eltern und die Sorge darum, dadurch ihre Wohnung zu verlieren. Positiv wurde die Vielfalt an Süßwaren und Spielzeug bewertet. Die Tatsache, das sie nun Reisen könnten, jetzt frei seien, ist vermutlich dem Eltern abgehört.
Eigene Erinnerungen tauchen auf, wie der Besuch einer Berufsschulklasse in Bamberg, 1992. Bei Leberkäs und Coca Cola fragte mich eine aus der Klasse, ob ich Mehl und Zucker aus Bamberg mitnehmen werde nach Hause? Ich habe die Frage erstmal nicht verstanden.
Bei einigen Westkindern wurde ich den Eindruck nicht los, dass die genauso realitätsfremd wie die Berufsschulschülerin aus Bamberg ist. P. und ich kamen durch unsere Ost und Westsozialisation auch ins überlegen, was wir damals wahrnahmen. Für P. in Baden Würtemberg lebend, war die DDR extrem weit weg.
Link zum Film: https://www.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2025/10/Heute-Morgen_SSB_2025.pdf
Der Film Aber wenn man so leben will wie ich, von Bernd Sahling, DDR ,1988, hat mich ebenfalls berührt. Michael lebt mit seiner alleinstehenden Mutter Brunhilde zusammen.  Er ist als Panker erkennbar. Spielt in einer Band. Weggeworfene Sachen dienen ihnen als Schlaginstrumente. Michael komponiert auch eigene Songs. Da er sich allem verweigert,  nehmen sich die Behörden seiner an. Im Alter von 15 Jahren wird er in einen der berüchtigten „Jugendwerkhöfe“ unterstellt. Mit 18 wird er Vater. Er sieht keine Perspektive für sich als Panker, weswegen er obwohl seine Freundin mit dem Baby in der DDR bleibt, in den Westen.
Ich kann es dem Michael nicht verübeln, dass er raus will. Pankers hatten im Osten nix zu lachen. Sie wurden kriminalisiert. Ich habe 1994 die Willkür des Staates gegenüber einer Gruppe Panker selbst beigewohnt. Es war unterirdisch, es war übel.
Link zum Film: https://www.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2025/09/Katalog_Heute-Morgen.pdf
Fazit: Wir haben nicht alle Filme gesehen. Ich werde noch mal hingehen.

4.02.2026 Museumsbesuch (26.)
Erneut besuche ich den Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwartskunst, Berlin (siehe auch 1.01.2026), diesmal mit P. Einige Ausstellungen sind im Umbau, so können wir nur die Rieckhallen besuchen, wo ich sowieso hin möchte. In Petrit Halilaj`s Schauräume An Opera Out of Time, in dessen Zentrum seine Oper Syrigana steht, halten wir uns einige Zeit auf. Abermals liege ich auf den großen Teppichflies und höre der Opernmusik zu, die über Lautsprecher den Raum ausfüllt. P. gefällt die Anwesenheit der nach Fabelwesen aussehenden Objekte des Künstlers, die sich in allen seinen Räumen ausbreiten. Aber wie schon wie bei unserem Besuch der Aedes Galerie (siehe Blog 27.01.2026) sind wir durch Plaudereien über dies und das abgelenkt. Das reist auch nicht ab, als wir uns die 10 großformatigen Videoarbeiten Museum in Bewegung – Eine Sammlung für das 21. Jahrhundert ansehen. Visuell nehme ich wahr, das die Protagonisten auf den einzelnen Videos tanzen. Einige Ansätze erinnern mich an Bewegungsformen der Tanzcompanien von Sacha Walz oder Pina Bausch.  Die Bewegung begleitende Musik strengt mich an. Ich mag nix mit Bässen, die auf meinen Körper zugreifen. Plaudernd liegen wir auf den Boden bis die Aufsicht zum Ausgang bittet.

Auf der Heimfahrt liebäugle ich damit, die Ausstellung von Petrit das nächste Mal allein zu besuchen. Zu gern möchte ich mehr von der Oper hören. 

3.02.2026 Atelier (25.)
Eine Entscheidung, in welchem Farbton ich den Hintergrund anlege, ist noch nicht getroffen. Im Moment ist alles wie ein Brei. – Besonders in meinem Malerkopf.

1.02.2026 Deutsches Theater (24.)
Im Deutschen Theater kommt zur Aufführung: Die Insel der Perversen, von Rosa von Praunheim, in der Regie von Heiner Bomhard. In meiner Begleitung ist Brigitte Bardot. Praunheim schrieb das Stück in seinem letzten Lebensjahr. In ihm treten Alice Weidel und Sarah Wagenknecht als Koalitionspartner der neuen Regierung auf.  Die Zeitenwende ist damit nicht mehr nur für Olaf Scholz, auch für Friedrich Merz und die danach kommen mögen, eingeläutet.
In dem Stück äußert sich die Wende durch das Sprachrohr der Kunst, welches nur noch deutsche Komödien auf seinen „deutschen Bühnen“ zeigt. Man ahnt es, das Volk wird wissentlich verdummt. Parallelen zum Dritten Reich sind faktisch gegeben. Die kritischen Kunstschaffenden werden nicht getötet. Man verbannt sie auf die Insel der Perversen. Da es sich um ein Singspiel handelt, wird viel gesungen.
Neben Weidel und Wagenknecht treten auch Wladimir Wladimirowitsch Putin, Adolf Hitler, Johann Wolfgang Goethe, Donald Trump und Thomas Gottschalk auf. Die Persiflage von Putin mit freiem Oberkörper, Fischleiche in der erhobenen Hand auf einem Bären reitend, war besonders amüsant.
Fazit: Kurzlebiger, unterhaltsamer Abend. Die Gesangsleistungen zumeist wenig herausragend. Da würde ich nachbessern. 1-2 starke Stimmen täten der Aufführung gut.

31.01.2026 Dokumentarische Filmreihe: Pawel Schnabel – Rhina (23.)
Der Dokumentarfilm thematisiert das Fortleben des deutschen Antisemitismus in der osthesssichen Provinz Rhina. Die Filmemacher Pavel Schnabel und Harald Lüders drehten den Film 1980. Während der Dreharbeiten stießen sie auf die verdrängte antisemitischen Vergangenheit der Rhinaer Dorfgemeinde.
Um 1900 bestand die Bevölkerung des Ortes zu 50,7% aus Juden. Es gab zahlreiche Handelsleute und einige Handwerker. Mehrere Läden, Geschäfte, Gasthäuser am Ort waren ebenfalls in jüdischem Besitz. Viele jüdische Familien hatten im Nebenerwerb eine kleine Landwirtschaft. Juden und Christen lebten weitgehend friedlich miteinander  – bis die Weltwirtschaftskrise und schließlich die Machtergreifung der Nationalsozialisten diesem Zusammenleben ein Ende setzten.
Schnabel begegnet auskunftsfreudigen Zeitzeugen. Jeder wolle im Film mitwirken, erzählt er dem Publikum. „Das Fernsehen kommt, das Fernsehen kommt.“  – eine Sensation für das Dorf.
„Bis etwa 1923 ist Rhina der einzige Ort in Preußen mit überwiegend jüdischer Bevölkerung gewesen…“ Eine junge Frau liest den Aufsatz der Schülerin Hilda Metzger vor, den diese in der 8. Klasse, 1928 verfasste. Doch ihre Worte drängen zunehmend in den Hintergrundmusik  – überlagert von Musik und eindringlichen Kamerabildern. Ein zerstörter jüdischer Friedhof, Bilder, die keiner Worte bedürfen.
Nein, die Zeitzeugen haben nichts gesehen und schon gar nicht waren sie an den Diffamierungen, den Verbrechen gegen die jüdische Bevölkerung beteiligt. Nein, ihr Haus habe am Ortsrand gelegen. Als die Schule und die Synagoge am 10. November 1938 in Flammen standen, habe man zwar das Feuer zwar aus der Ferne gesehen, aber anderes auch nicht. Sie sei mit den Kindern im Haus geblieben.  Niemand von ihnen sei durch das Dorf mit Fackeln gezogen.
Wie die Zeitzeugen es aussprechen, wissen die Nachgeborenen, die ihnen zu hören, dass sie lügen. Aber noch kommt man nicht gegen sie an. Noch gibt es keine Erinnerungskultur. Das Christen bereits 1931 nicht mehr bei den Juden arbeiteten, erfahre ich aus den Interviews, die die Filmemacher mit den nach New York emigrierten Juden führten. Sie erinnerten sich an die Vorgänge und die Atmosphäre im Dorf.
Sie nannten Namen von Tätern. Sie erzählten von dem Zusammentrieb aller Juden im Dorf, von der Trennung von Männern von Frauen und Kindern. Sie erzählten von der Hetze und von der systematischen Angst, den die Deutschen verbreiteten. Schließlich von der Vertreibung aller Juden. Am 1. März 1939 gab der Bürgermeister öffentlich bekannt, das Rhina judenfrei ist.  Viele Rhinaer Juden gingen nach Frankfurt am Main, wo eine größere jüdische Gemeinde lebte. Nur wenige aus Rhina überlebten. Das die meisten wurden in Ausschwitz ermordet. Die Regisseure konfrontieren die deutschen Zeitzeugen mit denen in New York aufgezeichneten Aufnahmen.
Doch die Rhinaer sind unbeugsam, wie aus „deutschem Kruppstahl“. Empathie und Einsicht fehlen. Läuterung der Seelen in diesem Film sind fehl am Platz. Stattdessen reagieren die Dorfbewohner mit Wut und Ablehnung auf die Vorwürfe der jüdischen Überlebenden. Eine Frau äußert sich empörend über die angeblich erhobenen Ansprüche auf Haus und Boden – auf „deutschem Boden“ durch Juden und bezeichnet eine Forderung von 20.000 DM als Unverschämtheit.
Unrecht bleibt Unrecht. Versöhnung ohne Anerkennung der Schuld und ohne ehrliche Reflexion eigenem Handelns kann weder hier noch anderswo gelingen. Diese Erkenntnis kam mir, nach dem die Lehrersgattin sich auf die Vorführung der in New York lebenden jüdischen Rhinaer bezog, unterr denen sie eine Wiedererkannte. Sie war damals noch ein Mädchen gewesen.  Sie war in Ordnung gewesen. Kurzum, sie mochte sie. „Herr Schnabel“, bat sie ihn, „richten sie ihr meine besten Grüße aus. Wenn sie einmal nach Rhina komme, mein Haus stehe ihr allezeit offen. Vergessen sie nicht, Herr Schnabel, ihr das auszurichten, wenn sie wieder mit ihr sprechen.“
Cut, es ertönt Beethoven „Freude schöner Götterfreuden“. Ich hätte diesen Schluss nicht gesetzt. Die Frau hat alles ausgedrückt, was die deutsche Erinnerungskultur an Versäumnissen getätigt haben. Mit ihr hätte ich den Film geendet.
Fazit: Ein beschämendes Zeugnis deutscher Unkultur, kollektivem Unvermögens, politischem Willens und Humanität. Unbedingt sehenswert.
Link: https://www.alemannia-judaica.de/rhina_synagoge.htm
Link: https://de.indymedia.org/node/473420

30.01.2026 Dokumentarische Filmreihe: Pawel Schnabel (22.)
Das Zeughauskino beginnt die Dokumentarische Filmreihe: Pawel Schnabel, mit dem Film Brüder und Schwestern, von 1991. Schnabel reiste dafür 1988 im Auftrag des Südwestfunks aus Frankfurt am Main nach Weimar, um für die Sendereihe Menschen und Straßen eine Reportage über die 1987 geschlossene Städtepartnerschaft von Trier und Weimar zu drehen. Von den DDR-Behörden erhielt er eine Liste von Personen, die er filmen konnte. Schnabel, der eigentlich selbst sonst als Kameramann tätig ist, hat diesmal die Interviews geführt. Er porträtierte Mitglieder des ACC Weimar, den Schriftsteller Wolfgang Held, den Schuldirektor Michael Kallenbach, das Konditoren-Ehepaar Mengs, die Abiturientin Julia Müller sowie etliche andere, erstmals 1988.
Zur Wendezeit besuchte Schnabel abermals Weimar und zuletzt 1991. Der Film lebt von den porträtierten Personen und den auf sie gewirkten gesellschaftspolitischen Veränderungen.
Erstaunlich oder auch nicht ist, das dem Filmteam gelang, Personen zu begleiten, die Stereotyp für die Zeit und das Land stehen. So z.B. der Weg des Michael Kallenbach, der als Direktor in seiner Schule viel Wert auf Ordnung und Sauberkeit legte. In der Wendezeit sitzt er solange im Direktorenstuhl, bis alle Personen im höheren Dienst entlassen wurden. Er hätte sich neu bewerben können, worauf er aber verzichtete. Kallenbach wird Versicherungsvertreter. Die Anzüge für sein neues Gewerk hat er schon im Schrank hängen. Kallenbach fährt über Land, zu seinen Klienten. Er schätzt es so ein, dass „jetzt richtig gearbeitet werden muss“.  Er ist assimiliert, schon in diesem frühen Stadium. Mir fiel in dem Zusammenhang mit Kallenbachs Versicherungstätigkeit ein, das diverse Versicherungs-, (amerikanisches) Waschpulver-, Teppich- und Zeitungshaustürvertreter Anfang der 90iger unterwegs waren und ich mich hütete beim Klingelläuten einfach die Tür zu öffnen. Ich bekam erst davon nichts mehr mit, als ich 1993 Erfurt verließ und nach Berlin-Charlottenburg zog. Beim Publikumsgespräch erzählte Schnabel das Kallenbach sich zu einem Lebemann gemausert hatte. Champagner schlürfte, schrille Klamotten trug und ständig auf Reisen war. Für ein neuerliches Interview war er nicht bereit.
Das Konditoren-Ehepaar Mengs hatte ein gut gehendes Geschäft mit Kaffeebetrieb in Weimar. Von der Öffnung der Grenzen versprachen sie sich Innovationen für ihren Betrieb. Am 18.März 1990 feierten sie den Wahlsieg der CDU mit einer Flasche Sekt. Mit dem Sieg verbanden sie einen spürbaren wirtschaftlichen Aufschwung für ihren Betrieb und der Region. Nicht allein, das die Einnahmen rapide zurück gingen, zusätzlich drohte der Verlusts ihrer Geschäftsräume. Ein neuer Eigentümer aus dem Westen hatte andere Pläne für diese Immobilie. Mit einer stummen Naivität redeten sie sich ein, dass ihre Arbeit wertvoll ist und dass das von dem Eigentümer gewürdigt würde.  Aber der würdigte nicht. Davon erzählte Schnabel im Publikumsgespräch später. Die Eheleute hatten ihr Geschäft verloren. Frau Mengs selbst ist bei einem Bäcker in Anstellung gegangen und Herr Mengs hatte als Lieferantenfahrer seinen Unterhalt verdient. Dann kam Krankheit und Tod.
Und ja, da war noch mehr, aber…
Fazit: Ich habe mir vom Film eine DVD gekauft, die der Regisseur nicht zufällig dabei hatte.
Der Film Brüder und Schwestern veranschaulicht auf unaufdringliche Weise, womit die DDR Bürger in der Umbruchzeit zu tun hatten. Einiges habe ich vergessen oder rauch verdrängt. Es stieß so manches mal bitter auf.
P.S. Ich selbst entschied mich in Anfang 90 einen neuen Beruf zu erlernen und den Führerschein zu machen. Das war eine rein taktische Entscheidung. Ich wollte im Kapitalismus nicht untergehen.

29.01.2026 Lady Macbeth von Mzensk (21.)
Die günstige Gelegenheit nutzend, besuche ich die Generalprobe der Komischen Oper. Zur Aufführung kommt: Lady Macbeth von Mzensk, von Dmitri Schostakowitsch, in einer Inszenierung von Berrie Kosky.
Der Opernstoff ist düster und schwer. Drei zu Tode gekommene Menschen durch Fremdverschulden. Es ist noch durch den Staatsanwalt zu klären, ob es sich in allen vier Fällen um Mordmerkmale oder Totschlag handelt. Zum Finale gibt es noch den Selbstmord der Antiheldin Katharina, das will ich nicht unterschlagen. Sie ist Kaufmannsgattin und langweilt sich zu Tode. Vermutlich wenig gebildet. Eben nur eine Frau. Man könnte sie bedauern, wenn sie nicht so stink faul und Ich-Bezogen daher käme.
Über sie noch zu sagen ist, dass das Lüsterne von Natur bei ihr großzügig angelegt ist. So geht sie schnell auf den neuen Knecht, Draufgänger Sergej drauf und er auf sie.
Es ist eine Beziehungsabhängigkeit, die zwischen ihnen besteht. Sie füllt die Leere ihrer Ehe mit seinem Samen aus und er erhält eine Arbeit zugeteilt, die bei weiteren sauberer ist, für die er eigentlich eingestellt ist. – Beide werden nur unterbrochen, wenn der Mann und ihr Stiefvater im Haus sind. Es ist nicht zu vermeiden, dass sie erwischt werden. Es ist unausweichlich, es geht dem Stiefvater, eine beeindruckender Bass, an den Kragen. Nützlich auch damals schon Giftpilze, die man, er isst. Bevor der Stiefvater verreckt, hat er dem Ehemann einen Brief zukommen lassen. Er müsse dringlichst zurück kehren. Seine Frau sei ein Hurenstück ohne Gleichen. Züchtige sie! Er kommt und erwischt sie live beim Ehebruch. Es kommt zum Kampf, zwei gegen einen. Der fleißige, wenn auch sexuell schwach ausgebildete Ehemann kommt zu Tode. In Erwartung eines großen Erbes, wird Katharina enttäuscht. Der Stiefvater hat den Großneffen Fëdor mit-bedacht, was Katharina nicht akzeptieren will. Auch dieser wird beseitigt. Zum Verdruss des Mörderpaares allerdings unter Beobachtung, was dazu führt, dass sie der Polizei überstellt werden. Beide kommen in Haft. Finden sich wieder in einen Gefangenentross auf Fußmarsch nach Sibirien. Katharina sehr wohl ihrer Stellung enthoben, rettet sich mit dem Gedanken, das ihr Geliebter Sergej bei ihr ist.  Dem aber ist Katharina nun zu alt. Ihre gesellschaftlichen Stellung enthoben, hat sie überdies nichts mehr für ihn zu bieten. Er findet schnell Ersatz, etwas jüngeres wirft sich ihm zwischen die Beine. Als Katharina das spitz kriegt, tötet sie das Mädchen mit ihrem Strumpf. Anschließend bringt sie sich selbst um. Eine einzige Mördergruppe. Das psychologische Profil des Komponisten wäre gewiss auch unterhaltend.
Zur Aufführung: Koskys Inszenierung holte mich nicht ab. Bühnenbild langweilig. Darstellungen wie z.B. der Beischlafszene der Katharina mit Sergej, bei der beide untern Bett liegen, das hoch und runter geht. Heute stehen Boxspringbetten in vielen Schlafstuben (nicht bei mir), die sind sau schwer. Oder auch die Vergewaltigungsszene unter den Arbeitern, ebenfalls unbeholfen. Da wusste man nicht, wie man das spielen soll, war mein Eindruck. Etwas spielen verlangt immer auch eine Portion Ästhetik. Wenn die nicht erkennbar ist, funktioniert das Bild nicht.
Die Opernmusik:  Sie war ebenfalls nicht mein Fall. Mir taten am nächsten Tag noch von den lauten Tönen die Ohren weh. Manchen Moment fühlte ich mich an die Schwere einer Wagneroper erinnert.
Fazit: Wer´s mag. Ich mochte es nicht.

28.01.2026 Atelier (20.
Heute kein Beweisfoto von meinem „Unvermögen“. Ich zanke mit dem Bild mit Frau auf Straßenpflaster. Alles ist grau in grau. Klamotte vorne grau, Straßenpflaster hinten grau. Wo sind die Kontraste, die Ordnung schaffen?
Ich erwäge von vorne anzufangen. Noch halte ich mich aber zurück, das Leinen zu zerschneiden. Ja, es kommt vor –,  selten jedoch in im Anfangsstadium der Produktion. Was sagt das über mich, die Malerin aus? Die Frage ist gänzlich nur rhetorisch gemeint. 

27.01.2026 Aedes Galerie (19.)
Zum zweiten Mal besuche ich die Ausstellung: What If: A Change of Perspektive, der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB), in die Aedes Galerie, Berlin. Diesmal in Begleitung mit P., die sich wie ich für Architektur und besonders für Architektur des Brutalismus interessiert. Aber das war heute nicht das Thema.
Wie bereits am 14.01.2026 vorgestellt, beschäftigt sich die Ausstellung mit nachhaltigem Bauen. Die Ästhetik dieser Architektur ist weit weniger spektakulär wie man sich das vielleicht vorstellt. Das Spektakuläre findet sich in den verwendeten Materialien, den Energiewerten des Gebäudes u.a. wieder. Es gibt verschieden Parameter für das nachhaltige Bauen, ein Grundstock bildet das verwendete Baumaterial. Berlin ist auf Sand gebaut, sagt man. Ein natürliches Baumaterial in Brandenburg ist Stroh. Es wird dort auch aktiv für nachhaltige Bauprojekte genutzt. Aufgrund der landwirtschaftlichen Prägung Brandenburgs ist Stroh als regionaler, nachwachsender Rohstoff in großen Mengen verfügbar. Es kann als Dämmstoff genutzt werden. In Verbindung mit Lehm und Holz als Stützbalken bildet das ein nachhaltiges Baumaterial. Türme am Alexanderplatz oder am Ku´damm kriegt man damit nicht hin, wegen der Statik. Das find ich gut. Setzen wir es um?
P.S. P. und ich waren ehrlicher Weise oft abgelenkt mit nicht auf die Ausstellung bezogene Gespräche. Grins.

26.01.2026 Zeughauskino (18.)
Das Zeughauskino Berlin führt den Propagandafilm Ewiger Wald, in der Regie von Hans Springer und Rolf von Sonjevski-Jamrowski auf. Der Film wurde am 6. Juni 1936 am Tag des Volkstums auf der vierten und letzten Reichstagung Nationalsozialistische Gesellschaft für deutsche Kultur (NGDK) uraufgeführt und bereits 1937 abgesetzt. Ich vermute, schlichtweg wegen großer Langeweile.
Die Handlung reicht von der Bronzezeit bis zur Niederlage im Ersten Weltkrieg und dem Wiederaufstieg unter dem Hakenkreuz. Dramatisch, emotional inszenierte Bilder und suggestive Musik eröffnen den Film mit langen Fahrten durch weite Laubwälder. Die Müdigkeit, die mich zunehmend überfiel, stand gewiss auch mit dem Fakt in Zusammenhang, dass es sich um einen schwarz/weiß Film handelte. Das ewige Grau in Grau ist nix für mein Malerherz.
Fazit: Historisch betrachtet ist der Film interessant. Ich habe es allerdings nicht vermeiden können, bissel durch einschlafen vom Film zu verpassen. In jedem Fall hätte es gut getan, ihn in wesentlich kürzerer Version herzustellen. Ich sag mal aus dem Bauch heraus, statt 88 min nur 20-25 min.
Bei Youtube kann man sich einen Eindruck machen vom Filmwerk unter dem Link: https://youtu.be/1MJk3HUTtCU

Rolltreppe vom Untergeschoss, Deutsche Historische Museum, Standort des Zeughauskinos

25.01.2026 Das kleine und das große Glück (17.)
Zur Abwechslung einmal einen Spielfilm angesehen, statt Dokumentationsfilm, was für mich immer auch mit Vermittlung von Wissen in Zusammenhang steht.
Der s/w-DDR Film Das kleine und das große Glück, in der Regie von Martin Heilberg, bildete mich aber auch. Nicht vordringlich. Vordringlich wurde ich unterhalten. Ausstrahlungsort war mein geliebtes Berliner Zeughauskino.
Zum Inhalt: Für den Bau eines Kupferbergwerks im Römertal, muss schnellstmöglich eine Straße vom zukünftigen Bauort, zum Hafen fertiggestellt werden. Neun Monate hat die 1. Brigade für die Fertigstellung, womit die Abhängigkeit von Kupferimporten aus der BRD der Vergangenheit gehören zur Verfügung gestellt bekommen.
Erika Brandt ist Brigadeleiterin der jungen unerfahrenen Menschen. Zusammen mit einer erfahrenen Brigade unter der Leitung von Anton Nowatzki sollen sie das Wunder vollbringen.
Noch kurz zuvor wurde die Jungendbrigade für ihre langsame Arbeit kritisiert, die aber aus Mangel am konkreten Bauauftrag den Bauschutt nur von links nach rechts und wieder zurück schippte, um überhaupt etwas zu tun während ihrer Arbeitszeit.
Der Bauleiter Stockberger, genannt „Rübezahl“ lässt das nicht gelten. Gearbeitet werden muss, auch wenn man nicht weiß, was gearbeitet werden soll.
Die Lage ändert sich mit dem Eintreffen des Parteiauftrags, die Zufahrtsstraße zum Hafen zu bauen. Der kürzlich erst als Held der Arbeit gefeierte Schachtmeister Karl Schwalk wird den Bau durch seine Erfahrungen unterstützen.
Bei der Jungbrigade löst Karls Ankunft große Freude aus. Sie führt auch dazu, dass die Jugendlichen die Arbeit als Wettbewerb zwischen der Brigaden mit den älteren und erfahreneren Arbeitern durchführen.
Unter den wachsamen Auge des Parteisekretärs Buchner findet der Straßenbauwettbewerb statt. Die Regeln werden festgelegt. Die Jugendbrigade Erika Brand untersteht Karl, die der alten Hasen „Rübezahl“, dem einzigen Anwesendem mit abgeschlossenem Studium für Straßenbau.
Es kommt wie es kommen muss. Die Jugendlichen sind kräftiger und schneller, liegen vorn. Als dann bei den alten Hasen ein Bauabschnitt im Schlamm versinkt und sie den Schlamm ausschachten müssen, geraten sie gar zu weit im Wettbewerb nach hinten. Aber Karl hilft, schickt von seinen Leuten welche rüber. Was wäre das für ein Wettbewerb, wo der andere schon am Boden liegt, ist sein Statement zu seinem Hilfsangebot.
Allen geht es gut damit. Man kommt voran.
Als nach Tagen der jungen Brigade vor dem gleichen Problem stehen, entscheidet Karl, den betroffenen Streckenabschnitt nur auf 2,5 Meter Tiefe auszukoffern und eine Kieslage als Trennschicht aufzutragen. „Rübezahl“ ist empört, redet von Pfusch. Es kommt zu einer Prüffahrt mit schwerem Gerät. Alles hält. „Rüberzahl“ resigniert, beantragt eine Versetzung nach Rostock.
Die Arbeit geht weiter. Eine kurze Regenzeit kommt. Der „Pfusch“ hält auch diesmal weiter. Im Monat Mai erhält Karl und Erika Brand eine Prämienzahlung für ihr gute Arbeitsleistung.
Wieder vergeht Zeit, es kommt erneut zu Starkregen. Diesmal rutscht der „Pfusch“ ab. Bei der folgenden Arbeitssitzung wird Karl mit Vorwürfen überhäuft und auch Karrer, sein alter Kriegskamerad, vor dem Karl gewarnt wurde, zu dem er jedoch stand, fällt ihm in den Rücken. Karl flieht. Trifft auf Karrer, der in den Westen fliehen will. Da erkennt Karl das wahre Gesicht seines angeblich alten Freundes und geht zurück zur Baustelle und erarbeitet im Stillen Lösungsvorschläge für das Baudilemma.
„Rüberzahl“ wiederum erkennt, dass er die Flinte nicht ins Korn hätte werfen sollen, als er Karls Fehlentscheidung bemerkte. So bleibt er doch auf der Baustelle und übernimmt die gesamte Bauleitung aller Straßenabschnitte.
Friede Freude Eierkuchen, Karl legt seine Verbesserungsvorschläge dem Bautrupp vor. „Rübezahl“ hält sie für geeignet, wenn das benötigte Material dafür zur Verfügung steht. Auch dafür hat Karl ein Lösung. Er fährt zu seiner letzten Arbeitsstätte nach Magdeburg und bringt Material, Technik mit samt Straßenbau-Profiarbeiter. Der Plan für den Abschluss der Straße zum Hafen wird rechtzeitig erfüllt.
Das zwischen Karl und Erika Brand sich eine Liebesgeschichte entspann, ist sich selbst in allen Einzelheiten zu denken.
Fazit: Ich fühlte mich gut unterhalten. Es amüsierte mich, wie der Protagonist mit Fehler, die er nicht einsah, doch sich wand.

24.01.2026 Atelier (16.)
Hauptsächlich habe ich den Hintergrund bearbeitet und seine monotonen Farbflächen gebrochen. Ihm eine Chiffre zugeteilt, um den Raum, in dem sich die Figur befindet, lesbar zu machen. Nein das war nicht der Grund. Höhere Wesen haben befohlen: Tue es.

150 x 120 cm

22.01. Spaziergang mit P. (15.)
Spaziergang mit P. vom Hermannplatz ausgehend, dann mitten durch die Hasenheide bis zum Columbiadamm. Alle Wege vereist im Park, dennoch der Natur trotzend vorsichtig gegangen. Auf Wunsch von P. auch das halbe Flugfeld des Tempelhofer Flughafen überquert. Hier kein Eis auf den alten Flugfeldbahnen. Nach zwei Stunden hatte die Kälte die Körper unter den Jacken erreicht. Wir gingen zurück, was wir hingegangen waren. Es dauerte, was es dauern musste. Nach dem P. in der U-Bahn verschwunden war, besuchte ich Lidl im Karstadt. Stand im Eingang. Wärmte meine Kleidung, wärmte mich. Vermerkte für mich selbst, dass ich gar nichts mehr über dieses Einkaufshaus weiß, die Umbauten nicht bemerkte: Beim Einzug von Lidl nicht dabei war. Nicht gesehen, nicht mitbekommen hatte, wie die Bankschalter und Automaten der Deutschen Post zurück gebaut wurden, wo ich einst freundlich bedient wurde.
Die Räume, die wir nutzen, ändern sich. Wenn wir nicht anwesend sind, während sie sich ändern, tun wir so, als täten sie uns was schulden. Aber das tun sie nicht. Sie schulden nicht uns und wir nicht ihnen. 

20.01.2026 Atelier (14.)
Neues Bild angelegt.

Ausschnitt

18.01.2026 Finissage mit Konzert (13.)
Marita Czepa,
Absolventin der Akademie für Malerei, lud mich zur Gruppenschau Painting in Iceland, im Projektraum Kynak ein. Marita hatte einst Ausstellungen in der Werkstatt der Kulturen der Welt kuratiert. Als Künstlerin der sieben köpfigen Künstlergruppe newkölln stellte ich 2003 unter dem Arbeitstitel HeimArt Fotografien unter ihrer Leitung in ihrem Haus aus. So lernten wir uns kennen.
Die Ausstellung Painting in Iceland zeigte Arbeitsergebnisse ihrer gemeinsamen Malreise nach Island der aktuellen Akademieklasse. Einige Künstler hatten wie Marita ihren Abschluss schon in der Tasche hatten, während andere noch am studierten. Bis auf Marita, die kleinformatige Zeichnungen von gefundenen Dingen anlegte, stellten die anderen alle Landschaften dar. 

17.01.2026 Atelier (12.)

16.01.2026 Zeughauskino (11.)
Das Zeughauskino präsentierte in seiner Reihe: Berlin. Dokument von Peter Voigt Dämmerung – Ostberliner Bohème der 50er Jahre, Deutschland 1993. Der Film erinnert an jene Jahre, in denen einige Ostberliner Lokalen eine kleine, eigensinnige Künstlerszene pflegten. Man trank viel, sprach noch mehr und begriff sich selbst als Vorhut. Es traten die damaligen Protagonisten – Werner Stölzer, Rolf Ludwig, Gerd Zeuchner, Barbara Brecht-Schall, Kurt Mühe, Heinz-Dieter Knaup, Ekkehard Schall, Stefan Lesewski, Karl Eduard von Schnitzler und Hans StetteJahrzehnte später erneut ins Licht der Kamera. Voigt selbst gehörte auch zu ihnen. Ihren Erinnerungen fügte der Regisseur zeitgenössische Ton-, Bild- und Textfragmenten hinzu. Die politischen Umstände der Nachkriegszeit im neu gegründeten Staat waren dabei immer anwesend. 

15.01.2026 Vernissage (10.)
War mit Brigitte Bardot im artspring Pop Up Store, im Rathaus Centers Pankow, zur Vernissage. Seit Mai 2024 ist das Format an diesem Standort. Im September 2026 stelle ich selbst dort aus. Die Eröffnung: FRAME & FRIENDS, von Karø Goldt wurde mit einer Lesung und anschließendem Gespräch gestaltet. Ich nutzte meine Anwesenheit, mich mit den anwesenden Veranstaltern bekannt zu machen.

14.1.2026 Macht der Bilder und  Das Kalte Herz (9.)
Im Rahmen der Ausstellung What If: A Change of Perspektive, der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB), lud die DGBN in die Aedes Galerie Berlin- Prenzlauer Berg, zum Vortrag Macht der Bilder ein. Die DGBN steht für Netzwerk, Wissen und System. Sie beschäftigt sich mit der Verbreitung von Bildern mit nachhaltiger Bauweise. Die Veranstaltung informierte über aktuelle Entwicklungen der DGNB, bot Gelegenheit zum Vernetzen und einen Blick hinter die Kulissen der genannten Ausstellung.
Die Veranstalter wiesen auch auf ihre neue Initiative shift globale architecture movement hin, die sich mit vermeintlich moderner Architektur beschäftigt. Diese müsse einer kritischen Prüfung unterzogen werden, denn Jahrzehnte lang wurde ohne Rücksicht auf lokale klimatische und kulturelle Gegebenheiten, soziale Strukturen, langfristigen Werterhalt oder ökologische Belastbarkeit gebaut. Sie beschäftigen sich z.B. mit der Frage nach den richtigen Bildern? Kritisieren, das zu häufig nachgebaut wird, was in bekannten Metropolen steht, ohne zu fragen, ob  das für ihren Standort klimatisch und kulturell sinnvoll ist.
2/3 der Bürogebäude müssen im Sommer in Deutschland gekühlt werden. Sie sind nicht zukunftsfähig. Probleme der Finanzierung und der Versicherung bestehen und nehmen weiter zu. Wir würden Gebäude bauen, die Technik brauchen, die nicht gratis sind. Shift möchte andere Arten von Bilddaten anbieten.
Martin Haas, Vizepräsident der DGNB, zeigte anhand von KI generierten Bilden, Gebäude im futuristischem Stil mit Begrünung. Die Bilder seien spektakulär und weil auch Grünpflanzen integriert sind, wird das Gebäude als nachhaltig wahrgenommen. Es fehle an Dechiffrierungen. Er fragt, was nachhaltige Architektur ist?
Der Mensch sei darauf konditioniert zu machen – zu gestalten, weil er es kann. Sinn und Gefahr (für die Zukunft) werden nicht hinterfragt.
So werden z. B. dystopische Hochhäuser gebaut, wie der Steinway Tower, in New York/USA. – Ein hedonistischer, sinnloser Bau. Das Gebäude würde Schwingungen bei Winden ausgesetzt. Bewohner klagten sogar über Übelkeit und ein Gefühl von Seekrankheit. Trotz Luxus bestände in den oberen Etagen Platzmangel. Es gebe sogar Leerstand. Er kritisiert, dass wir uns auf das 20.Jahrhundert beim Bauen beziehen und nicht in der Lage sind uns auf Heute zu beziehen. Architektur braucht eine Grundhaltung; sie braucht eine zukunftsorientierte Ausrichtung. Die Mehrzweckhalle Ingerkingen oder Rapunzel Besucherzentrum Legau wurde als positives Bsp. genannt.
Im Anschluss habe ich auch in der Ausstellung der DGNB besucht, die im wesentlichen Fragen stellten wie Was wäre, wenn sich Kommunen beim Klimaschutz gegenseitig unterstützen würden? oder Was wäre, wenn Banken und Bauwirtschaft Hand in Hand arbeiten würde? oder Was würde, wenn wir die Kosten immer auch aus langfristiger Perspektive betrachten würden? usw. Ausserdem wurden Bsp. für nachhaltiges Bauen mit Bild und Text vorgestellt.
Fazit: Sehr interessant, auch gerade für meine eigene Arbeit zum Thema Städtebau.

Link: http://www.what if:achangeofperspective/dgnbausstellungbeiaedes/dgnb
Link: http://www.nbau.org/2025/10/13/shift-globale-bewegung-fuer-ein-neues-nachhaltiges-architekturverstaendnis/

in der Ausstellung der DGNB

Am Abend war ich in der in der Staatsoper, einer Uraufführung der Oper in 12 Akten: Das kalte Herz, von Matthias Pintscher. Ich hatte keine Freude, weder am Bühnenbild, den Requisiten, den Sängern, der Geschichte, der Komposition. So ein eindrucksvoller Märchenstoff von Wilhelm Hauff oder erst die eindrückliche DEFA Verfilmung von 1950 und dann das (Smilie Augen verdrehend).
Ich habe eine Kritik gefunden, die meinen Eindruck bestätigt: 
Link: opernmagazin.de/willkommen-in-den-emotionalen-minusgraden-urauffuehrung-von-das-kalte-herz-an-der-staatsoper-berlin/
P.S. Andrea N. war ebenfalls anwesend. Ihr gefiel die Inszenierung und die Opernmusik ebenfalls nicht. P.S. Wir sind nicht immer der selben Meinung.

11.1.2026 Kunstmuseum Wolfsburg (8.)

Besuchen die Ausstellung Utopia. Recht auf Hoffnung im Kunstmuseum Wolfsburg. Der Titel macht Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Ich suche nach „der guten Zukunft“ in den präsentierten Werken, finde aber doch abgesehen von den Arbeiten, die sich konkret mit Anwendungsideen befassen lediglich verzerrte Abbildungen unserer Wirklichkeit.
Ein Bsp. für eine Anwendungsidee ist die Arbeit  OX2architekten von Ina-Marie Orawiec. Die deutsche Architektin nutzt Rotorblätter von Windrädern als konstruktive Baudelemente für Außenfassaden von Turmbauten, statt sie zu vernichten. Ihr Kunstwerk besteht aus einer bemalten Plane, die einige Meter auf dem Boden sich nach oben an der Wand weiter bis fasst zur Decke erschreckt. Auf ihr ist eine Abbildung eines Turmbaus, dessen Fassade mit Rotorblätter bekleidet sind. Unterhalb der Horizontlinie spiegelt sich das Gebäude in einer Wasserfläche. Rechtsseitig von dem Monumentalbild liegt ein Original großes Rotorblatt mit der Spitze zur Raummitte. Die Aussicht forderte mich auf, das Element zu besteigen, was ich tat.

Hier stehe ich auf diesem benannten Rotorblatt und zeige auf den Turmbau auf der Plane.

Die vermutlich zukunftsträchtigere Utopie präsentierte das Team Myzel der Ostfalia, des Institut für Recycling der Ostfalia Hochschule, mit ihrer Arbeit My(co)Future. Sie verwenden Myzele, das Wurzelwerk von Pilzen als Ersatz Bspw. für Holz, Kunststoff, Verpackungen und Dämmstoffe. Ein Mauerstück war aufgebaut. Neben der Mauer lag Myzele zum anfassen. Es ist sehr leicht und zerfällt schnell zwischen den Fingern. Ich kann es mir nicht als Trägermaterial vorstellen, aber sehr wohl als Füllstoff zwischen Balken, die Lasten tragen. Utopie ja, aber ist das Kunst?

Anetta Mona Chişa und Lucia Tkáčová präsentierten mit Try Again, Fall Again, Fail Better (7:57 min), ein Videowerk in Farbe und Ton. Es zeigt eine riesige geballte Faust, wie mehrere Personen gemeinsam die Faus in die Luft steigen lassen. Das Flugobjekt verliert jedoch Luft und dadurch die gerade noch imponierende Luftgestalt an Höhe und an Ausdrucksform. Auch die Ausstrahlung der Personen ändert sich mit dem Zusammenfall, deren Bewegungsradius sich verkleinern.
Warum ich das Video mag: weil es in einer blühenden Landschaft gedreht wurde; weil das Symbol der Faust sofort eigene Assoziationen hervorruft; weil es mich ästhetisch anspricht; weil es zu Gesprächen anregt.
Später auf der Heimfahrt von Wolfsburg nach Berlin sprach ich mit einem Berliner Pärchen, die auch die Ausstellung besuchten. Das Video „Try Again, Fall Again, Fail Better“ habe ihnen auch gefallen. Die Faust verbanden sie mit Protest und Gewalt. Ich verband sie mit: Mut, Solidarität und gemeinschaftlichem Eintreten für eine Sache. Meine Ostsozialisation wirkt bis heut, hi.

10.1.2026 Tankumsee (7.)
Spaziergang um den Tankumsee, Landkreis Gifhorn. Der See ist künstlich geschaffen und ein beliebtes Ausflugsziel in der Region. Ich war bei vielen meiner Besuche hier auch an dem See.

Schneelandschaften sind wie Zeichnungen.

Ich habe den Ausflug auch genutzt um zu fotografieren mit einer Leihkamera, Marke Canon. Das hat mir Spaß gemacht, trotz der Schlepperei. Leider habe ich vergessen, die Fotodaten von der Speicherkarte runterzuladen. Die Aufnahmen hier sind mit Handy gemacht.

9.1.2026 Wetter (6.)
Noch mehr Schnee, ich bin happy. In Niedersachsen fallen Züge aus die über Hannover gehen. Der Personenverkehr in Gifhorn ist zum erliegen gekommen. Ich erlaube mir dieses Foto in meinen WhatsApp Status zu posten mit der Anmerkung, dass ich in Niedersachsen gefangen bin. U.a. nimmt meine Schwester das für bare Münze und denkt angestrengt nach, wie ich nun zurück nach Berlin komme. Ihr angestrengtes Denken bleibt aber dann nur Theorie.


7.1.2026 Gifhorn (5.)

Ein paar Tage raus aus Berlin nach Gifhorn.  Gifhorn und ich haben ein schwieriges Verhältnis, weil mich das Stadtbild nicht anspricht. Meine Reise hat private Gründe zur Unterstützung einer Freundin, die Hilfe nach einer Operation benötigt. Ich tat mich schwer mit der Reise in diese Stadt. Ich wurde gezwungen.
Zu meiner Freude liegt hier mehr Schnee wie in Berlin. Kaum angekommen werde ich zu einem Spaziergang in die Gifhorner Heide eingeladen, die sich durch eine besondere Flora und Fauna auszeichnet und dem Naturschutzsystem Natura 2000 angehört. Ein Schlitten oder Langlaufskier wären jetzt noch die Krönung gewesen, aber das ist hier Mangelware wie Schnee und Berge.

6.1.2026 Atelier (4.)
Es liegt etwas Schnee. Bin mit der BVG unterwegs. Male, klar, was sonst.

4.1.2026 Ausstellung in der Galerie VBK (4.)
Wir 19 Künstler der Pop UP Ausstellung sind von 12 bis 21 Uhr an unserem „Stand“. Im hintersten Raum stehen Getränke und selbstgemachte Speisen für den Gast bereit. Einer der Künstler spendiert russischen Kaviar. Genießer für die Delikatesse finden sich unverzüglich. Ich esse keine Kinder, gebe ich bekannt. Es stört sich Niemand daran.  In der letzten Stunde bildet sich ein kleiner Sitzkreis von Kollegen an meinem Stand. Wir reden über Instagram. Zwei der Kollegen nutzen die Plattform nicht. Plötzlich werde ich für sie mit meinen paar´n 100 Follower für eine Spezialistin gehalten.
Fazit: Nette Gespräche, nettes Kollegenklima. Kann ich jederzeit wiederholen.

3.1.202 Ausstellungsaufbau in der Galerie VBK (3.)
Autonom gestaltet jeder der 19 beteiligten KünstlerInnen seine Fläche, die per Losverfahren zugewiesen wird. Insgesamt benötige ich 2,5 Stunden für den Aufbau. Brigitte Bardot hilft mir. Danach lade ich sie zum Asiaten ein. Der hat noch Ferien. Wir landen im Florya´s Burger HouseEcke Potsdamer/Lützower Straße. Mit Abstand der mieseste was ich je als Bürger vorgesetzt bekam.  


2.1.2026 Atelier, Vorbereitung für Event (2.)
Morgen ist die erste Pop Up Ausstellung in der Galerie VBK, wofür ich ein paar Werke zusammen packe, die ich morgen in der Galerie installiere.
Brigitte Bardot hilft mir bei der Auswahl.

1.1.2026 Neujahr (1.)
Meine Neujahrsaktivität gilt dem Besuch des Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwartskunst, Berlin. Brigitte Bardot begleitet mich.  Verschiedene künstlerische Positionen sind präsentiert. Ich habe keinen Überblick. Wir haben uns hauptsächlich der Haupthalle, die man automatisch betritt nach dem Einlass betritt. Weil mir nicht gefiel, was in der Halle aufgebaut wurde, wendete ich mich unverzüglich nach links und gelangte zu den Rieckhallen. Über einen langen Flur eröffneten sich jeweils links, weitere Ausstellungsräume. In den Räumen des Petrit Halilaj, einem Künstler aus Kosovo kamen wir zum stehen. Im Zentrum seiner Präsentation steht eine Oper Syrigana , die in Zusammenarbeit mit der Kosovo-Philharmonie hier zu hören war.

Die Oper ist eine epische Liebesgeschichte in fünf Akten.  Nach ihrer Vertreibung aus dem Paradies kommen Adam und Eva in dem mythischen Dorf namens Syrigana an. Das Dorf ist bevölkert, als Willkommensgeschenk werden die beiden vermählt, heißt es in der Kurzbeschreibung. Hier sind die Menschen erstmals als Fuchs und Huhn dargestellt, die persönlich in einer Fenster großen Aussparung der Hallentrennwand uns von oben betrachtet. Als Besucherin kann ich mich auf eine große Teppichfläche niederlassen und der Opern zu hören. Eine Untertitelspur-Projektion übersetzt den Text in meine Sprache. Ich mag seine Räume, die mich an Bühnenbilder erinnern. Verschiedene, meist Menschengroße Figuren und Objekte aus farbigen Stoffen begegnen uns. Vor den Blumen und dem Baum mit Birne, der an Eva´s Sünde erinnert, wäre es doch ein Apfel, machen wir Fotos.
Fazit: Wunderbar. Ich plane einen weiteren, ausführlicheren Besuch bei dem ich mehr Zeit für dem Musikwerk selbst widmen möchte, lang ausgestreckt auf den Teppichflies viellicht.
Link: https://youtu.be/XsFp48gEFEQ

Zusatz: Das Gebäude wurde 1840 eröffnet. Bereits im Jahr 1884 wurde der Bahnhof für den Personenverkehr geschlossen. In den Folgejahren wurde es als Verwaltungsbau und Wohnhaus bis zum Verkehrs- und Baumuseums umgebaut genutzt. Im Krieg wurde  es stark beschädigt. 1987 wurde der Ausstellungsbetrieb wieder aufgenommen mit der Leihgabe des Sammlung Marx. In der Zeit zwischen. Der heutige Zustand des Gebäudes geht auf Umbauten und Erweiterungen von 1996 nach Plänen des Architekten Josef Kleihues.  


Was fehlt in meinem Beitrag, sind die guten Vorhaben für das Jahr 2026. Weil es mir gut tut die Berliner Bühnen und Kinos zu besuchen plane ich für 2026:
6-8 Theaterbesuche, 6-8 Ausstellungsbesuche und 12-20 Kinobesuche.
2025 war ich 3x m Berliner Ensemble (2 gute Stücke, 1x lahm), 1x im Gorki Theater (Daumen hoch), 1x im Heimathafen Neukölln und 1x in der Volksbühne, 3x (lahm), 3x Komische Oper (1x Minus Drei und 2x lahm) und 1x Staatsoper für Alle (erfreulich). Außerdem X- im Kino. Mein bester Kinofilm Rosa Luxemburg von Margarethe von Trotta. Die Ausstellungsbesuche lassen sich an einer Hand abzählen.